(20)16 kleine Schritte für den Menschen,…

SilvesterWarum ich mir trotz Vorsatzes, mir nichts vorzunehmen, etwas vornehme…

 

Dass ich gute Vorsätze zum neuen Jahr bescheuert finde, brauche ich nicht mehr großartig erklären. Mir erschließt sich einfach nicht, warum ich mir zu einem ganz bestimmten Datum etwas vornehmen sollte, was ich schon längst anfangen könnte. Das ist Prokrastination at it’s finest und damit unnötig. Es gibt aber trotzdem etwas, das ich mir vornehme! Nämlich jeden Tag zu genießen und das Leben ein bisschen bunter zu gestalten. Ganz unabhängig von Silvester, einfach täglich. Wie das?

Dazu habe ich 16 Ideen zusammengestellt, die nicht nur unser Leben schöner machen, sondern auch das von anderen und der Welt. Denn das gemeinsame Zusammenleben, der Umweltschutz und das Erfreuen von anderen, das sind doch letztlich Dinge, die wiederum uns selbst glücklich machen. Egoistischer Altruismus quasi.

Wichtig war mir bei der kleinen Liste, dass sie kein Extra-Geld kostet. Sie soll für jeden umsetzbar sein, keinen besonders großen Aufwand darstellen und eben doch Effekte haben. Ob die klein oder groß sind, das ist ganz egal. Wir wissen doch: Alles zählt. Wenn jeder nur ein kleines bisschen was tut, dann glaube ich – vielleicht in endloser Naivität – immer noch daran, dass sich was ändern kann.

 

16 Dinge, die wir 2016 unbedingt machen sollten (nicht nach Prioritäten sortiert):

 

  1. Wählen gehen. Es stehen zwar keine große Wahlen an, aber einige kleine, bei denen wir unser Verständnis für Demokratie mal üben können. Ich verabscheue ganz offiziell all diejenigen, die nicht wählen gehen, weil „das ja eh nix bringt“. Nee, Leute, so funktioniert das System nicht. Zeigt, wofür ihr seid, wogegen – und zeigt vor allem, dass ihr die ganze rechte Welle nicht unterstützt, die gerade auf die Welt zurollt.
  2. Die Tüten beim Einkauf einfach mal weglassen. Ich weiß, ich predige es immer wieder, aber es wirkt ja noch nicht genug: Man muss eine einzelne Zucchini nicht in eine Tüte packen, das braucht die gar nicht und hält sie nicht mal länger frisch. Und wenn ich ein Shirt kaufe, dann passt das auch ganz oft einfach so in die Handtasche.
  3. An der Kasse jemanden vorlassen. Wir haben beim Einkaufen oft mehr Zeit, als wir zugeben. Und das, was wir sonst im Laden vertrödeln, das können wir auch an der Kasse verbringen. Wenn wir die kleine Oma mit ihren zwei Päckchen Butterkekse vorlassen, dann freut die sich nicht nur, es entwickeln sich auch oft nette Gespräche. Und selbst wenn nicht, hat man etwas Gutes getan und kann sich auf die Schulter klopfen.
  4. Geschenk- durch Altpapier ersetzen. Derjenige, der beschenkt wird, ist vielleicht im ersten Moment irritiert, aber ich habe tatsächlich noch nicht eine einzige negative Reaktion bekommen. Sondern Verständnis und Einsicht. Muss Deutschland wirklich das Land mit dem höchsten Papierverbrauch sein?
  5. Den Bettelnden einfach mal fragen, ob man ihm etwas Gutes tun kann. Vielleicht wünscht er sich eine Dose Hundefutter, vielleicht ein Brötchen. Vielleicht einfach die leeren Pfandflaschen, die zuhause rumstehen. Vielleicht kann man auch was teilen, wovon man eh zu viel hat? Das kostet Mut und Überwindung, schafft aber wertvolle Momente.
  6. Einen Fremden anlächeln und ihm einen schönen Tag wünschen. Selbst wenn ihr euch nur Ersteres traut, werdet ihr sehen, was das für Effekte haben kann. Wahnsinn! Und: Wie es in den Wald hineinruft,…
  7. Beim Backen etwas mehr machen und den Nachbarn vor die Tür stellen. Für ein schönes, gemeinschaftliches Zusammenleben!
  8. Das Auto einfach mal stehenlassen. Man unterschätzt die Alternativen, wenn man sich an sein Auto gewöhnt hat. Aber die Brötchen lassen sich kalorienfreundlich prima mit dem Fahrrad holen, der Sonntagsspaziergang zu Fuß ist bei schönem Wetter Gold wert und bei der Straßenbahnfahrt kann man endlich mal wieder neue Musik oder Podcasts hören. Herrlich. So tun wir nicht nur der Umwelt gut, sondern auch uns selbst.
  9. Müll auf der Straße wegräumen. Ich verlange von niemandem, dass er anfängt, die hündischen Tretminen auf dem Bürgersteig zu entfernen – das nehmen wir uns mal getrost 2018 vor –, aber wenn da eine ganze Horde Flyer rumschwirrt oder ein Joghurtbecher, dann kann man den oftmals einfach die fünf Schritte zur nächsten Tonne tragen.
  10. Einfach mal positiv übers Wetter reden. Das Wetter ist DAS Smalltalkthema. Auch wenn ich persönlich es als solches gerne streichen würde, lässt es sich wohl nicht ganz vermeiden. Warum der Deutsche (hier bei kontravers wird immer in groben Klischees gedacht) aber immer nur schlecht darüber reden kann, erschließt sich mir dann endgültig nicht mehr. Also, ab 2016 nicht mehr: „Es ist aber viiiel warm für Dezember!“, sondern: „Toll, dass es nicht schneit, muss ich das Auto noch nicht freikratzen.“ Einfach mal das Gute sehen – trotz Klimawandels! Always look on the bright side of life weather.
  11. Keine Mädchen- oder Jungsprodukte kaufen. Es muss definitiv NICHT das pinke Mädchen-Ü-Ei sein und definitiv NICHT der blaue Cars-Rucksack. Kinder brauchen weder Spielzeug noch Lebensmittel noch Alltagsgegenstände oder Möbel, die farblich vermeintlich an ihr Geschlecht angepasst sind. Wenn man da mal drüber nachdenkt, ist das gesellschaftlich total kaputt. Selbst wenn ich aber noch nicht bereit bin, meiner Nichte den dunkelblauen Star Wars-Fighter mitzubringen, dann gibt es immer noch eine riesige Palette an Farben, die zwischen Blau und Rosa liegen. Auch wenn das Kind sich das wünscht. Große Veränderungen erfordern kleine Opfer.
  12. Ein Abo mit jemandem teilen. Sei es Zeitung, Zeitschrift oder Streamingdienst: Was wir abonnieren, ist oft nicht kaputt, wenn es einmal benutzt ist. Warum müssen also fünf Haushalte dieselbe Zeitschrift bekommen, wenn die Themen doch aktuell bleiben und ich sie nicht sofort lesen muss? Und für’s Miteinander ist es eh toll. Selbiges gilt übrigens für Sonderkonditionen: Wir kriegen oft im Rahmen unserer Jobs, irgendwelcher Mitgliedschaften etc. Sonderkonditionen. Warum die nicht auch mit anderen teilen, statt sie nur für uns selbst zu nutzen?
  13. Topfpflanzen statt Schnittblumen verschenken. Auch das predige ich ja gerne: Ich weiß einfach nicht, worin der Reiz liegt, jemandem tote Lebewesen zu schenken. Es ist doch viel schöner, eine Topfpflanze zu bekommen, von der man langfristig etwas hat. Besonders positiv sind hier sogar Nutzpflanzen, was für den Garten (sofern der Beschenkte einen hat) oder besonders interessante. Man sollte natürlich reflektieren, wem man gut Kakteen und fleischfressende Exemplare schenken kann, ohne dass sich der Beschenkte auf den Fuß getreten fühlt.
  14. Jemandem ein Kompliment machen und sich bedanken. Wir sind so oft so kritisch. Nicht nur gegenüber anderen, sondern auch gegenüber uns selbst. Es hat schon seinen Grund, warum nach Silvester immer Sportgeräte im Angebot sind. Warum eigentlich? Nobody`s perfect und letztlich sind wir doch alle okay, wie wir sind. Nichts gegen berechtigte Kritik, aber die üben wir so viel schneller, als einfach mal ein paar nette Worte auszusprechen. Und sei das zum tollen Kaffee der Kollegin. Vielleicht probieren wir es aber einfach mal mit den wirklichen Werten: Ich finde es so schön, wie oft du lachst, du bist ein echt positiver Mensch, du hast einen wirklich tollen XY-Geschmack, danke für’s Zuhören, da bist du echt gut drin. Ob Kollegin, Arzthelfer, Bäcker, Mama, Papa, bester Freund, ungeliebter Paketbote,… Warum nicht?
  15. Foodsharing betreiben. Wir leben immer öfter alleine, während die Packungen gefühlt immer XXXXLiger werden. Statt Tonnen von Lebensmitteln wegzuwerfen, müssten wir viel mehr teilen. Und das ist eigentlich ganz einfach: Entweder über spezielle Foodsharing-Internetplattformen oder über die eigenen Nachbarn und Bekannten. Warum nicht mal sagen: „Hey, Leute, ich habe einen Wirsing gekauft, das ist aber viel zu viel für mich, habt ihr Interesse?“ Da sollten Scham und Wert mal wieder ein gesundes Gleichgewicht erlangen.
  16. Statt Blödsinn eine Spende verschenken. Dass viel schiefläuft in unserer wunderschönen Welt, das brauche ich keinem erklären. Da verhungern täglich Kinder, Menschen schießen sich sinnlos ab und ertrinken in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Und wir verschenken totaaaal süßen Bullshit, mit dem der Beschenkte oft überhaupt nichts anfangen kann. Dabei bieten so viele gemeinnützige Organisationen sehr schöne Möglichkeiten des Fremdspendens an. Und selbst das kann individuell sein: Jemand Kinderliebes bekommt eine Spende von einer Kinderhilfsorganisation, ein alter Seebär unterstützt die Flüchtlinge auf dem Meer, ein Öko-Freak Öko-NGOs und jemand tief Menschliches Ärzte auf der ganzen Welt*. Und auch wenn hier – ähnlich dem Geschenkpapier – vielleicht erstmal Irritation vorherrscht, freuen sich die meisten doch. Auch wenn sie nach westlich-kapitalistischer Sicht im ersten Moment nichts davon haben. Aber am Ende viel mehr.

 

Ich sage nicht, dass jeder alles machen muss. Es wäre aber toll, wenn jeder ein bisschen was davon macht. Oder zumindest darüber nachdenkt. Wenn das passiert, dann habe ich alles erreicht, was ich wollte.

Und damit wünscht kontravers erneut einen guten Rutsch, alles Gute für 2016 und einen kritischen Blick auf die Welt!

 

*Ich nenne absichtlich keine Organisationen, um keine Wertung vorzunehmen. Das bisschen Mühe muss man als Schenker schon aufbringen können.

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