Sehr geheime Damen, Herren und so.

Warum ich anonyme Bewerbungen als die besseren empfinde …

Beworben wurde sich schon immer. Sich selbst anpreisen, das Beste von sich darstellen, das gehört dazu. Harte Fakten, Lebenslauf, Qualifikationen, Zeugnisse. Immer verwurschtelter, aber wichtig. Soft Skills mittlerweile, auch okay. Spielt alles eine wichtige Rolle für den angestrebten Job. Allerdings: Gehört ein Bild eigentlich noch dazu? Und das Geschlecht? Und das Alter? Und so?

Es geht mir nicht darum, dass wir uns in unserer Bewerbung offenbaren müssen. Weder werden Daten zu Sexualität oder Familienstand, zum Lieblingsessen oder der liebsten Unterhaltungsshow verlangt. Fragen zu Familienplanung sind nicht nur verpönt, sondern sogar verboten. Aber warum betrifft das grundlegende Dinge wie das Äußere, das Alter und das Geschlecht nicht? Dinge, die meines Erachtens nach für einen Arbeitgeber überhaupt keine Rolle spielen dürften.

Ob es ein langhaariger Mittfünfziger oder die großbusige Zwanzigjährige ist, die den Job gut oder schlecht macht, das sollte doch ebenso wenig wichtig sein wie deren sexuelle Neigung, oder? Klar, für den Arbeitgeber macht es rententechnisch vielleicht einen Unterschied, in welchem Alter er jemanden einstellt, aber, hey, denken wir da doch wenigstens mal kurz nicht kapitalistisch.

Ich bin so dringend für anonymisierte Bewerbungen. Für Formulare, die uns nach unseren Qualifikationen und meinetwegen auch sehr gerne nach den Motivatoren befragen, die uns vielleicht sogar Arbeitsproben abverlangen, falls unsere Zeugnisse die noch nicht hergeben, die alles wirklich Relevante für die gewünschte Stelle abfragen. Brutal und ehrlich. Gerne. Aber bitte ohne Bild. Und bitte ohne Geschlecht.

Das hätte meiner Ansicht nach nur Vorteile für beide Seiten. Der Bewerber, der sich keine Gedanken darum machen muss, sondern sich ausschließlich auf sein Können und Wollen verlassen kann. Der Arbeitgeber, der sich ausschließlich auf das Können und den Eindruck des Wollens des Bewerbers verlassen darf. Ohne rechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Wäre das nicht auch erleichternd?

Da könnte nicht mal der Verdacht entstehen, jemand sei nur genommen worden, weil der Chef halt auf Blondinen steht. Da könnte keine Klage entstehen, wenn jemand den Eindruck hat, er sei aufgrund seines Geschlechts abgelehnt worden. Oder – fast noch schlimmer – nur wegen seines Geschlechts genommen worden. Kein Kantinengerede, keine Prozesse. Das Bewerbungsutopia.

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