Be my Fairlentine

ValentinsroseWarum Rosen ein suboptimales Geschenk sind…

 

Es ist mal wieder soweit: 14. Februar, Herzchenstimmung, Gefühlsduselei. Toll, toll, toll. Mindestens unsere armen Männer setzt das ganz schön unter Druck: Wer den Valentinstag ignoriert, der zieht nicht nur den Zorn seiner Liebsten (die dann bezweifelt, die Liebste zu sein) als auch den Spott seines und die Verachtung ihres Freundeskreises auf sich. Also – auf, auf – noch schnell ein Sträußchen kaufen. Das ist schließlich ein top Geschenk. Oder?

 

Keine Blumen sollst du pflücken

Dir im Leben, liebes Kind,

Die nicht rein und würdig sind,

Auch dein Herz damit zu schmücken.

 

Brich auch keine Blumen ab,

Die du nicht, um Gottes Segen

Betend, könntest kindlich legen

Einst an deiner Eltern Grab!

 

Das schreibt Eugène Peschier, Schweizer Dichter, im 19. Jahrhundert. Er beschreibt damit eine Haltung gegenüber Blumen, die meines Erachtens vorbei ist. Aus den acht Zeilen ist ein Respekt gegenüber Pflanzen erkennbar, den ich heute vermisse. Blumen sind zur Ware auf dem kapitalistischen Markt geworden. Eine Ware, über die sich teilweise nur noch symbolisch, gar nicht mehr wirklich gefreut wird – das zumindest mein Eindruck. Und auf jeden Fall nicht in angemessenem Maße für das, was sie eigentlich sind: Lange gewachsene Geschöpfe (von wem auch immer).

Aber schauen wir mal in die Zahlen: Am Valentinstag steigen die Blumenverkäufe durchschnittlich um ungefähr 100%. Wenig überraschend, wenn man sich die Verzweiflung und den Druck der Männer – und ich wage hier mal mutig die Verallgemeinerung Männer – ins Gedächtnis ruft. Ebenso logisch erscheint es, dass die Rose – mit großem Abstand – die beliebteste und damit die am meisten verkaufte Blume in Deutschland ist (Marktanteil 2014: 43%). Der Verkauf selbst stagniert mittlerweile weitgehend, aber: Wir reden hier von Milliardenumsätzen, die Blumengeschäfte, Floristen, Online-Versender etc. machen. Zimmerpflanzen machen dabei mit einem Umsatz von „nur“ 1,2 Milliarden Euro gerade mal eine knappe Hälfte des 3 Milliarden-Big-Sellers Schnittblumen aus. 3 Milliarden Euro. Dieselbe Summe gibt die EU als Syrien-Hilfe aus.

Und dann gibt es beim Straußverschenken noch einen ganz anderen Aspekt, über den Mann zumindest mal nachdenken sollte: Woher kommt eigentlich die Blume, die ich Miss Perfect schenke? Dass Deutschland nicht vor Blumenfeldern strotzt, dürfte jedem bewusst sein. Wir können den „Bedarf“ (in Anführungszeichen, weil ein Brauchen von Blumen ja irgendwie schon fragwürdig ist) auch gar nicht selbst decken. Tatsächlich macht die Klischee-Holland-Rose den Löwenanteil aus (ca. 75%), aber auch der afrikanische Kontinent ist stark im Kommen. Dass der nicht unbedingt bekannt ist für saubere Arbeitsbedingungen – sowohl auf Umweltbelastungen als auch auf Menschenrechte bezogen –, auch das dürfte nichts Neues sein. Daran schließt sich ein Aspekt an, an den man vielleicht erstmal gar nicht direkt denkt: Werden in diesen trockenen und wenig fruchtbaren Ländern Blumen angebaut, dann führt das ziemlich direkt zu Wasser- und Nahrungsmangel. Schließlich muss für Bewässerung gesorgt werden, sonst wird das nix mit der fein roten Rose, und für eine Nahrungsmittellandwirtschaft bleiben schlichtweg keine – wirtschaftlich lohnenden – Ressourcen übrig. Ich könnte jetzt also soweit gehen, zu sagen, jede verschenkte Valentinstagsrose habe einen Afrikaner den Hungertod sterben lassen, aber na ja… Ich will ja niemanden fertigmachen.

Es gibt auch Hoffnung: Fairtrade. Vernunft. Schokolade. Fair Trade-Schokolade. Sowas halt. Tatsächlich wächst der Anteil an fair gehandelten Blumen (wie übrigens auch bei anderen Produkten) stetig und deutlich, aber ich habe den Eindruck, dass den Deutschen da noch ein bisschen das Bewusstsein fehlt, das bei Lebensmitteln immer mehr in die Köpfe vordringt. Man nimmt eben doch noch ganz gerne den Strauß hübscher Röslein im Discounter für 1,99 Euro mit. Dabei bieten die sogar inzwischen Fairtrade an. Augen auf beim Blumenkauf also. Denn die Fairtrade-Produkte haben noch einen Vorteil: Sie sind oftmals nicht so stark mit Pestiziden belastet wie das konventionelle Produkt. Oftmals. Generell aber gilt: Die meisten Rosen sind es eben doch. Und da sollte sich Mann schon genau überlegen, ob er wirklich kniend das Pflänzlein zwischen die Zähne nimmt, um die Verehrte zu beeindrucken. Oder ob es nicht etwas Selbstgemachtes tut.

Zum Beispiel ein Gedicht schreiben, in dem man Rosen – und damit ja letztlich dem Leben – Respekt zollt, oder ein schönes Bild, ein leckeres Candlelight-Dinner, ein Armband, eine Gravur im Ring, ein Liebesschloss,… Es gibt so viele Möglichkeiten. Warum müssen wir Blumen töten? Und warum erfreuen wir uns (kurz) an toten Blumen?

 

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