Kuckluck!

Warum BlackKklansman in der Schule und bei AfD-Meetings geguckt werden sollte …

Da schleicht sich ein schwarzer Polizist in den Siebzigerjahren in den Ku-Klux-Klan ein. Eine absurde Geschichte, die wir erstmal weit von uns weisen können. Hat mit unserem Alltag ja auch überhaupt gar nichts zu tun. Oder doch?

BlackKklansman macht Angst. Er ist bedrückend und teilweise erdrückend. Und er ist witzig. Und vermittelt eine Geschichte von einem ganz normalen Typen, der heldenhaft gegen das System kämpft, ohne ein Held zu sein. Ganz ohne Pathos. Trotzdem mit vielen extremen Momenten. Mit Gänsehaut und Tränen in den Augen. Ohne Eierkuchen, aber auch ohne das ganz große Drama. Und aus all diesen Gründen sollten wir ihn uns alle angucken.

Obwohl die Geschichte selbst in den Siebzigern spielt. Obwohl sie in den USA spielt. Obwohl es um den Ku-Klux-Klan geht, den wir alle (leider!) nicht (mehr?) so auf dem Schirm haben.

Aber: Die Themen, die der Film aufgreift, sind heute leider und furchtbarerweise wieder hochaktuell. In all ihrer Brisanz. Zivilcourage, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Machtlosigkeit, Vorurteile, Hetze – all das betrifft uns. Nicht nur in Trumpmerika, sondern sehr wohl auch hier in Europa.

Kongeniale Nebengeschichte über das Judentum und den Holocaust. Hier gibt es eine Szene, in der ein Undercover-Jude einem Klan-Mitglied weismacht, der Holocaust sei das Beste, was der weißen Rasse jemals passiert sei: die kluge und programmatische Vernichtung eines ganzen Volkes. Das sorgt für Gänsehaut und zeigt uns, dass es eben nicht nur um Schwarze und Weiße geht, sondern um jede vermeintliche Randgruppe. Unabhängig davon, ob es um Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Sexualtrieb oder was auch immer geht. Zivilcourage gehört immer dazu, um etwas zu ändern. Und jede Gruppe ist es wert, verteidigt und geschützt zu werden. Damit es am Ende im besten Fall keine Gruppen mehr gibt. Oder Vorurteile gegen Gruppen.

Wir bekommen Fanatismus gezeigt, ohne dass dieser dramatisiert oder verharmlost wird. Und wir bekommen Fanatiker und deren Motive gezeigt. Nicht, was sie zu dem gemacht und zu ihren Überzeugungen gebracht hat, wohl aber, warum sie im Hier und Jetzt handeln, wie sie handeln. Wie aus Vorurteilen Überzeugungen und schließlich Hass resultiert. Und Wut. Eine Wut, die, egal woher sie kommt, gewaltsam gegen andere gerichtet wird.

All diese Themen bringt der Film uns nahe – sehr nahe –, ohne dabei an irgendeiner Stelle den Finger belehrend zu heben. Die Hauptfigur ist kein Held, der sich in allen Situationen korrekt verhält oder sich ohne Wenn und Aber in sein politisches Vorhaben stürzt. Vielmehr stolpert er so ausversehen hinein, begeht Fehler und Dummheiten, ist vielfach ahnungslos und naiv, und wir beißen uns mitfiebernd auf die Unterlippe, während unsere Daumen vom vielen Gedrücktwerden schon ganz gefühllos sind. Es handelt sich um keinen perfekten Martin Luther King mit politisch ausgefeilter und durchdachter Agenda. Gerade das aber macht, dass wir uns so angesprochen fühlen. Und nach dem Film denken müssen, dass jeder kleine Mann und jede kleine Frau etwas bewirken kann. Im Kleinen, im Dummen. Aber dass eben auch jeder kleine Mann und jede kleine Frau etwas tun muss, um etwas zu verändern.

Ein Film, der nachdenklich macht und machen muss. Und den sich jeder anschauen sollte, der den Eindruck hat, dass hier irgendwas schiefläuft. Egal, von welcher Seite aus.

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