Gott hat doofe Ohren

Warum Blasphemie nicht bestraft gehört …

Ich bin zugegebenermaßen kein großer Fan von Religion. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Gottesdienste, die Gemeinschaft, den Glauben selbst als komisch empfinde. Im Gegenteil, das sind die Aspekte, die ich an Religion reizvoll finde. Es ist ja per se etwas sehr Schönes, gemeinsame Ansichten mit einer Gruppe von Menschen zu teilen. Ich habe lediglich den Eindruck, dass daraus zu oft eben leider nichts Gutes resultiert.

Was ich damit meine, ist, dass Religion sowohl in der Vergangenheit als auch heute dazu führt, dass es über das friedliche, erstrebenswerte Miteinander hinaus Streit, Zwist und Krieg gibt. Das geht vom großen Massenmorden der Rohingya bis auf die Straße, wo Leute mit Kippa oder Kopftuch einfach mal fix verprügelt werden. Das kann und darf eben nicht Sinn der Sache sein.

Hier ist eine Empfindlichkeit – oder sogar Übersensibilität – entstanden, die ich für höchst problematisch halte. Ich finde es erschreckend, welchen Stellenwert Religion und Ethnie global, aber auch im gesellschaftlichen Miteinander eingenommen haben, wie bitterernst mit diesem Thema umgegangen wird und zu was diese Ernsthaftigkeit führt. Das Aussehen von jemandem zu beleidigen, ist ein witziger Scherz, beleidige ich eine Gottheit, komme ich – Riesenwortspiel! – in Teufels Küche und setze mich einer unkalkulierbaren Gefahr aus.

Blasphemie kann in Deutschland mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden, wenn der „öffentliche Frieden“ (Strafgesetzbuch, §166) dadurch gestört werden könnte. Aber wo sind denn da die Grenzen? Wer entscheidet, wann der öffentliche Friede durch solche Handlungen oder gegebenenfalls sogar schon Äußerungen gestört ist? Und warum hat das in einem Staat, der doch eigentlich religionsunabhängig oder zumindest -frei sein will, einen solch speziellen Stellenwert?

Vielleicht fängt da in meinem Kopf die Grundsatzdiskussion an, inwieweit Deutschland ganz generell zu sehr religionsdominiert ist: Wie können wir uns Religionsfreiheit ins Grundgesetz schreiben und dennoch Kreuze in Schulen aufhängen und arbeitende Kopftuchträgerinnen verbieten? Wie können wir Politiker Aussagen darüber treffen lassen, ob der Islam nun zu Deutschland gehört oder nicht? Weder Politik und Religion noch Bildung und Religion gehören zusammen. Punkt. Das aber schaffen wir nicht, indem wir dieses Thema so ernst nehmen. Sogar in Gesetzen.

Ja, ich möchte sagen dürfen, Gott sei doof und habe Flatulenzen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Viel lieber wäre mir allerdings, ich müsse mich gar nicht damit auseinandersetzen, weil jeder einfach macht, was er möchte. Einfach seine Religion lebt oder nicht, seinen Glauben zelebriert oder nicht, seine Feste feiert oder nicht. Und wenn jemand seinen Gott „beleidigt“, dann wäre es so wunderbar, wenn derjenige, der sich angegriffen fühlt, nicht einfach zuschlägt, sondern diskutiert oder ignoriert. Es kann nicht sein, dass wir über Hitlerwitze lachen, aber nicht über prophetische Karikaturen. Was ernst ist, sollte ernst sein und respektvoll behandelt werden, keine Frage. Aber (schwarzer) Humor ist immer auch eine Sache von Verarbeitung und gesundem Umgang. Wenn also Blasphemie nicht als Blasphemie angesehen würde, sondern als Scherz. Scherz, der vielleicht zu weit geht, aber hey, das gibt es doch oft genug auch in anderen Bereichen. Ignoranz, Toleranz, was auch immer, aber nicht Gewalt, Krieg, Tod.

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