Cut! Beauty!

Warum ich nicht weiß, wie ich zu Schönheits-OPs stehe…

Freundin A: „Schönheits-OPs? Auf überhaupt keinen Fall. Wir sollten alle lernen, uns so zu lieben, wie wir sind.“ Freundin B: „Ja, aber wenn du zum Beispiel nach der Schwangerschaft die totalen Hängebrüste hast, finde ich das voll okay. Oder wenn du deinen speckigen Bauch einfach nicht leiden kannst.“ Ich so: „Hmmm.“

Was halte ich eigentlich von Schönheits-OPs? Ich glaube, ich stehe da so dazwischen. So meinungslos. Wisst ihr, was ich meine? Dafür müsste ich für mich erstmal klarbekommen, was eigentlich eine Schönheits-OP ist.
Ich finde nämlich schon, dass es einen Unterschied macht, ob ich mir überflüssige Hautfalten nach einer starken Gewichtsabnahme entfernen lasse oder ob ich mir meine Brüste von C auf Doppel-Z vergrößern lasse, um zum (vermeintlichen) Sexsymbol zu werden. Oder mir die Brüste verkleinern lasse, weil ich einfach Rückenschmerzen habe. Oder mir die Beine brechen lasse, um endlich lange Modelbeine zu bekommen. Oder mir die Lippen auf- und die Falten wegspritzen lasse. Schönheits-OP ist nicht gleich Schönheits-OP.
Es gibt da zum einen den Gesundheitsaspekt. Bei solchen Operationen sehe ich überhaupt keinen Grund, warum ich die Schnippelei verwerflich finden sollte. Natürlich könnte ich auch sagen: Gut, dann sind da eben Hautfalten, weil ich abgenommen habe. Ich liebe mich trotzdem. Das wäre der Idealfall. Den halte ich in unserer Gesellschaft, in der wir immer wieder kritisch beäugt werden und sogar Kommentare Gang und Gebe sind, für relativ utopisch. Da muss das Ego schon ganz schön groß sein – was bei jemandem, der stark abgenommen hat, nicht unbedingt der Fall sein muss, eher im Gegenteil.
Dann gibt es aber Schönheits-OPs, die aus perfektionistischen Gründen erfolgen und die durchgeführt werden, um ein (wieder: vermeintliches) Idealbild herzustellen. Und zwar entweder für sich selbst oder – noch schlimmer – für jemand anderem. Bei solchen Schönheits-OPs sollte man sich meiner Meinung nach immer fragen, woher das eigene Idealbild eigentlich stammt, für wen die OP durchgeführt werden soll und ob ich mein Geld nicht besser in Dinge investieren kann, die mich mit größerer Wahrscheinlichkeit glücklich machen.
Geld ist bei diesem Thema nämlich auch so eine Sache. Zwar werden viele OPs meiner Kategorie A (gesundheitlicher Aspekt) von Krankenkassen übernommen, viele aber nur teilweise, und immer noch genug überhaupt nicht. Damit bleiben Schönheits-OPs ein Thema der Reichen. Die dann eben zu den (wieder mal: vermeintlich) Schönen und (etwas weniger) Reichen werden. Folglich werden Schönheitsoperationen auch zu einer Klassenfrage, über die ich mich selbst definiere, aber auch definiert werde: Darf ich dann als Reiche eigentlich mein Geld noch in anderes investieren oder wird das Aufpimpen zum Muss? Darf ich als Arme davon träumen, mich operieren zu lassen oder überschreite ich da ungeschriebene Klassengesetze? Oder ist eine solche OP vielleicht sogar mein Ticket in die höhere Schicht und damit eine sinnvolle Investition in meine Zukunft alias auch wieder ein Muss?
Selbstliebe ist immer so ein Thema. Ich wünschte, wir würden in einer Gesellschaft leben, in der nicht mal darüber nachgedacht würde, sich „schöner“ operieren zu lassen. In der dieser Gedanke nicht mal aufkäme, weil er so absurd erschiene. Ich wünschte, mir würden nicht täglich im Park Jogger begegnen, die einfach leidend erscheinen, aber laut gesellschaftlicher Konvention eben etwas „für sich“ und ihre Kondition tun müssen. Ich wünschte, wir würden nicht mal über das Erscheinungsbild der anderen nachdenken, geschweige denn es kommentieren. Aber solange all das Utopie bleibt, fällt es mir schwer, solche Operationen zu verurteilen, da sie lediglich das Resultat einer krankenden Gesellschaft sind.

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