Die Hohe Kunst der Diplomatie

Warum ich einfach lieber undiplomatisch bin …

Seiner Chefin zu sagen, dass ihr Kleidungsstil unter aller Kanone ist und damit vergleichbar mit ihrem Führungsstil, das ist nicht schlau. Hat gegebenenfalls auch Konsequenzen, die einen erneut auf Jobsuche bringen. Selbst wenn es der eigenen, gefühlten Wahrheit hunterprozentig entspricht. In der Politik ist das genauso. Den Israeliten zu sagen, dass das nicht in Ordnung ist, was sie da mit dem Gazastreifen treiben, das kann dann nicht nur zur eigenen Jobsuche führen, sondern auch zu Missstimmung, Ärgerlichkeiten, fehlendem Handel bis hin zum Krieg. Je nach Äußerung. Die eigenen Überzeugungen also besser für sich behalten?

Nein, natürlich nicht. Dafür gibt es sie ja, die Hohe Kunst der Duplomatie. Es waren nämlich einst zwei Kerle verliebt in Jana, sie kam aus Werle,… Ach nee, das war was anderes, richtig? Verzeihung.

Diplomatie. Das ist die hohe Kunst des Verhandelns. Kann man lernen. Sollte man lernen, wenn man Diplomat werden möchte, vielleicht auch, wenn man in die Politik gehen möchte.

Ein bisschen Diplomaten sind wir irgendwie alle. In unserem Alltag und in jeder Beziehung. Denn natürlich geigen die wenigsten von uns ihren Chefs unflätig die Meinung. Bei vielen unserer Äußerungen wägen wir die Konsequenzen ab und entscheiden ganz ökonomisch, ob sich die volle Breitseite der Wahrheit lohnt oder ob wir beim Formulieren etwas abmildern oder gar verschweigen wollen.

So richtig-richtige Diplomaten aber, die verhandeln natürlich im viel größeren Stil auf Länderebene. Durchaus mit Agenda und Ziel, aber vorsichtig, behutsam, sensibel. Das wäre kein Job für mich.

Ich bin nicht unsensibel, ich bin sogar ziemlich emphatisch, aber ich sage auch gerne knallhart, was ich denke. Und ich bin überzeugt davon, dass das in der Politik in vielen Fällen auch nicht das Schlechteste wäre. Statt einfach mal zu sagen, was Sache ist und was sie denken, schlängeln sich die meisten Politiker in Bandwurmsätzen um Fragen herum. Sie beherrschen sie absolut, die hohe Kunst der Diplomatie, hinterlassen mich als Wähler aber auch unbefriedigt, frustriert und verärgert. Zu sehr sind sie auf ihre eigenen Interessen bedacht: in der Partei bleiben, Job behalten, niemanden beleidigen oder auch nur jemandem auf den Schlips treten, Handelsbeziehungen erhalten, reagierende Kritik an der eigenen Person, Partei oder Institution vermeiden.

Dabei würde genau das für Kontra…nein, Kontroverse sorgen. Wenn endlich mal jeder raushauen würde, was er denkt. Wenn man Assad mal knallhart sagte, dass es verdammt übel ist, dass er täglich Menschen töten lässt, dass es nicht in Ordnung ist, dass Saudi-Arabien zwar den Führerschein für Frauen einführt, diese aber gleichzeitig noch immer weitgehend unterdrückt werden, dass Kinderarbeit verachtenswert ist, dass in Indien endlich das absurde Kastensystem gehen muss, was auch immer. Es gibt so viel zu kritisieren in der Welt. So viel zu ändern.

Wenn aber niemand klar sagt, was schiefläuft, wenn alle immer nur auf Sicherheit setzen, wie soll dann ein Veränderungsprozess angestoßen werden. Erst Aufmerksamkeit sorgt doch dafür, dass die Öffentlichkeit hinschaut und auf Missstände hingewiesen wird. Andernfalls kann alles ganz wunderbar unter den Teppich gekehrt werden und dort auch bleiben. Das darf aber doch nicht Sinn der Sache sein.

Und warum setzen Politiker so oft auf Diplomatie? Aus einem Sicherheitsdenken heraus, das bestimmt auch seine Berechtigung hat. Aber eben nur teilweise. Es kann nicht sein, dass beispielsweise ökonomische Interessen wichtiger sind als die Verurteilung eines Handelns oder Zustands. Das bringt uns nämlich nicht weiter und ist eine Form des unproduktiven Totschweigens.

Natürlich sollten Politiker und Diplomaten abwägen, wann und durchaus auch wie es angebracht ist, etwas zu kritisieren. Aber selbst die heftigste Kritik kann diplomatisch einwandfrei formuliert sein und hat dann auch ihre Daseinsberechtigung. Und sie führt im Gegensatz zum Schweigen – zumindest potenziell – zu einem Denkanstoß, der wiederum zu Veränderung führen kann.

So. Das war ein ernster Artikel, deswegen am Schluss, weil es so schön war:

Im Frühjahr warn 2 junge Kerle 
verliebt in Jana – sie kam aus Werle. 
Mit aller Macht und wie von Sinnen 
wollten sie ihr Herz gewinnen. 
Doch wer für sie der Wahre ist 
fand Jana raus mit einer List. 
Drum zückte sie 2 Duplo schnell. 
Der eine fraß es – gar nicht hell. 
Der andere und das gefiel 
hatte einfach viel mehr Stil. 
So eroberte und gewann er sie – 
mit der hohen Kunst der DUPLOMATIE!

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