Ein Ring, sie zu knechten

Warum mir die Ehe nicht (mehr?) heilig ist…

„Halt dich bloß von einem verheirateten Mann fern.“, riet eine Freundin der anderen, als diese sich in einen solchen verliebte. „Tu, was du für richtig hältst.“, meinte ich und erntete dafür diverse hochgezogene Augenbrauen. Mir ist die heilige Ehe nicht heilig. Mal wieder böses Mädchen ich.

Ich könnte es allerdings auch anders formulieren, damit der Aufschrei vielleicht, vielleicht nicht ganz so groß ist: Mir ist die Ehe nicht heiliger als jede andere Beziehung auch. Mir erschließt sich nicht, warum jemand, der verheiratet ist, weniger antastbar ist als jeder andere Liierte.

Natürlich hat sich jemand bei einer Hochzeit dazu entschieden, für immer und ewig für jemand anderen da zu sein. In guten und in schlechten Zeiten. Okay. Das hat aber im Prinzip auch jeder andere, der sich zu einer ernstzunehmenden Beziehung entschieden hat. Zumindest würde ich das – ob Ring oder nicht – immer von meinem Partner erwarten.

Weder langjährige Beziehungen noch der Trauschein sind aber ein Garant für Glück. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass man alles versuchen sollte, eine Beziehung zu retten, in die man viel investiert hat – denn das hat man ja nicht grundlos –, so bin ich doch grundsätzlich der Meinung, dass man jederzeit aussteigen können muss. Warum auch nicht?

Es gibt so viele Gründe, eine Beziehung zu beenden, und nicht jeder davon muss bösartig sein. Zeiten ändern sich, Umstände ändern sich, Gefühle ändern sich. Warum krampfhaft an etwas festhalten, das für mich definitiv keinen Sinn mehr ergibt. Wenn ich – verheiratet oder „nur“ liiert – einen anderen Partner kennenlerne, von dem ich denke, dass er mich glücklich(er) macht, dann sehe ich überhaupt keinen Grund zu bleiben. Da spielt es auch überhaupt keine Rolle, ob ich Metall um den Finger habe oder nicht. Ob Kinder betroffen sind oder nicht. Ob ein Haus, Erbe oder Sonstiges daran hängt.

Die Ehe ist heutzutage ein Konstrukt, das ich für wenig sinnvoll halte. Klar möchte auch ich vielleicht mal ein weißes Kleid tragen, aber brauche ich das wirklich noch? Erkenne ich überhaupt noch einen Sinn darin, mich lebenslang jemandem zu versprechen? Hoffnung ist das eine, das aber für mich zu jeder neuen Partnerschaft dazugehört, eine realistische Betrachtung der heutigen Gesellschaft ist aber das andere.

Damit meine ich nicht – und das möchte ich noch einmal ganz klar betont wissen –, dass man sofort von Partner zu Partner springen sollte. Das macht vermutlich ebenso unglücklich wie bei seinem nicht mehr geliebten Partner zu bleiben. Es ergibt in jedem Fall Sinn, für eine Beziehung zu kämpfen, bei der die Basis noch stimmt. Wenn die aber nicht mehr stimmt und beispielsweise Gefühle für jemand Dritten da sind, dann: Warum nicht gehen dürfen, nur weil mich der Ring knechtet?

Wichtig finde ich allerdings auch klare Verhältnisse. Hört mir auf mit Affären, Liebeleien, Vielleichts oder doch nicht… Da wird auf den Gefühlen aller Beteiligten rumgetrampelt, weil es so schwer ist, sich zu fragen, was man eigentlich möchte. Das ist unnötig. Aber auch hier gilt: vollkommen wurscht, ob mit oder ohne Ring.

Der Ring ist ein Versprechen, ja. Aber auch jeder Kuss ist ein Versprechen. Und warum sollte ich eine metallene Beziehung höher schätzen als eine mit Lippen geschlossene?

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