Evilution

Warum ich uns alle für abgrundtief böse halte …

Es gibt verschiedenste Theorien darüber, was uns – den Homo vermeintlich sapiens – vom Tier unterscheidet. Brauchen wir schließlich als Rechtfertigung dafür, uns an Flora und Fauna zu versündigen, wie wir lustig sind. Da wäre das Lachen, die Religion, Erfindungsreichtum oder die Herstellung von Waffen und Werkzeugen, um nur ein paar zu nennen. An keine davon kann ich mich so richtig gewöhnen. Ich glaube stattdessen, dass es das absichtlich Böse ist, was uns menschlich macht.

Tiere töten. Tiere stehlen. Damit verstoßen sie schon mal gegen mindestens zwei der heiligen Gebote, an die wir uns in unserer Tugendhaftigkeit zumindest theoretisch halten sollen. Dass das ein Teil der Menschen auch macht, stelle ich nicht in Frage. Aber es gibt einen grundlegenden Unterschied: Wir tun es oft aus viel niedrigeren Motiven als Tiere. Teilweise mit unglaublicher Freude an unseren widerlichen Taten. Trotz unseres angeblich so hoch entwickelten Verstandes. Das macht uns schlichtweg zu bösen Kreaturen.

Jedenfalls habe ich noch von keinem Pavian gehört, der seine Lebensgefährtin aus Habgier umgebracht hat. Der Geld veruntreut hat, weil ihm das Plus auf dem Konto einfach so verdammt gut gefiel. Der ganze Gruppen andersartiger Affen ermordet hat, weil er auf Bananen- oder Ölsuche war. Oder weil sie ihm schlicht nicht gefielen. Der missgünstig das größere Sonstwas seines Nachbarn betrachtet und sich an einem anderen Gruppenmitglied rächt, weil der ihm vermeintlich absichtlich etwas vermeintlich Schlimmes angetan hat. Menschen machen das. Jeden Tag. Mit Grausamkeit, Mordlust und ohne mit der Wimper zu zucken.

Wir sind die einzige Spezies auf diesem Planeten, die den Egoismus nicht nur in Reinform, sondern vor allem in seiner bösesten Form etabliert haben. Wir sind längst keine schöne, solidarische Gemeinschaft mehr, in der wir uns liebevoll umeinander kümmern und aufeinander aufpassen. Wir sind Einzelkämpfer geworden, und jeder steht sich selbst am Nächsten. Das unterscheidet uns meiner Meinung nach von Tieren: Absichtlich gemeine und böse Handlungen.

Wir haben den Blick für das große Ganze verloren. Dafür, dass wir alle zusammengehören. Für Vergebung. Für Lösungen, die nicht nur uns dienen. Es ist utopisch, dass ein Jeder den reinen Altruismus lebt, das gibt es im Tierreich nicht, und darum geht es auch gar nicht. Selbstfürsorge ist wichtig. Wir aber sind so sehr auf uns bedacht, so sehr in der Optimierung, dass wir nicht mehr gemäß dem „Wer anderen eine Grube gräbt,…“ leben, sondern alles versuchen, um zu unserem selbsternannten Ziel zu gelangen. Rücksichtslos. Ohne Bescheidenheit. Ohne Grenze.

Das ist der Punkt. Wir tragen Scheuklappen, die uns nicht sehen lassen, was unser Handeln für andere bedeutet. Wir wollen es teilweise aber auch überhaupt nicht sehen. Was das Ganze noch schlimmer macht.

All das führt zu Anti-Haltungen. Gegenüber Einzelnen, aber auch gegenüber Gruppen. Was wiederum zu Unzufriedenheit führt, weil das gesellschaftliche Miteinander einfach massiv gestört wird. Wir fühlen uns unwohl. Aber statt zu hinterfragen – durchaus uns selbst – machen wir andere verantwortlich, weil das bequemer ist. Weil es uns erlaubt, andere verändern zu wollen, statt uns selbst. Schaffen unser Gewissen ab.

Es ist dringend an der Zeit, die Scheuklappen abzunehmen.

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