Ex-Klusiv

Warum mich manche Streamingdienste und Exklusivinhalte nerven …

Ich kann nicht beurteilen, ob sie je glücklich miteinander waren, aber zumindest haben sie gut zusammengearbeitet. Sie sind miteinander groß geworden, haben sich gegenseitig befruchtet, neue Erfahrungen miteinander geteilt. Nun ist alles aus und vorbei. Endgültig. Sie trennen sich zwar nicht im Streit, aber sie gehen ab 2019 getrennte Wege. Netflix und Disney.

Disney hat schon vor Längerem angekündigt, seinen eigenen Streamingdienst gründen zu wollen. Fernab von Netflix, dessen erster großer Partner es war. Über die Gründe für die Trennung können wir alle nur spekulieren, ich stelle jetzt aber mal eine gewagte These auf: Es geht um Geld.

Ich vermute einfach mal, dass sich Disney von einem eigenen Streaming-Dienst mehr Moneten verspricht, die in die eigene Tasche wandern, als das in Kooperation mit Netflix der Fall ist. Für mich allerdings wird der ganze Markt langsam immer nerviger.

Natürlich verstehe ich im Sinne der Marktwirtschaft, dass es Konkurrenzangebote geben muss (auch wenn ich das grundsätzlich für verkehrt halte, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden). Das sieht allein das Kartellrecht so vor. Streaming an sich halte ich auch für eine höchst geniale Erfindung. Mit nur wenigen Klicks Zugang zu einem riesigen Medien-Angebot. Was ich will, wann ich will, wie ich es will, wo ich es will.

Aber: Durch das zunehmende Angebot an Exklusiv-Inhalten fällt das System eingeschränkt in sich zusammen und der Kunde ist genervt. Will ich Gilmore Girls, Grey’s Anatomy, The Man in the High Castle und Game Of Thrones angucken, muss ich mich momentan bei drei Streaming-Diensten anmelden – und sie auch bezahlen. Das macht monatlich gut 20 Euro, je nach gebuchtem Paket. Ganz im Ernst: Das ist mir zu teuer. Dafür bekomme ich ja schon zwei komplette Staffeln auf DVD und muss dann nicht – wie insbesondere bei Amazon leider üblich – auch noch damit rechnen, dass sie eines Tages nicht mehr im Monatspaket verfügbar sind.

Ein breites Medien-Angebot auf bequeme Art und Weise für ein ebenso breites Publikum zugänglich zu machen, das ist für mich das Tolle am Streaming. Ich finde es auch großartig, wenn die einzelnen Anbieter Geld in die Hand nehmen, um eigene Inhalte zu produzieren, weil das nämlich ganz im Sinne der demokratischen Medienvielfalt ist. Ebenso verstehe ich, dass dieses Geld wieder reinkommen muss. Ich frage mich nur, ob eine Diversifizierung in noch mehr Kanäle und noch mehr Exklusiv-Inhalte langfristig zielführend ist oder schlichtweg den Kunden verärgert. Warum die eigens produzierten Filme, Serien und Dokumentationen nicht einfach verkaufen? Meinetwegen auch erst nach einer gewissen exklusiven Preview-Zeit? Das würde den Konkurrenzdruck erhöhen und die Preisstruktur aus rein kapitalistischer Kundensicht mal wieder interessanter machen. Denn: Abhängigkeit von Exklusiv-Inhalten bedeutet ja immer auch die Option grenzenloser Preis-Erhöhungen.

Auf lange Sicht gesehen geraten wir nach dem momentanen System nämlich in die Pay-TV-Manier – alias Pay-Streaming –, die in den USA schon lange üblich ist. Nur: Wollen wir das? Sind wir bereit, für unsere Binge-Watching-Bedürfnisse und das Anschauen vielfach wirklich unbestritten großartiger Inhalte immer mehr und mehr Geld zu investieren und uns die Wahl nehmen zu lassen?

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