Der geschenkte Fotogaul…

Warum Fotobücher für mich Ausdruck mangelnder Kreativität sind…

Ach, verdammt, es geht schon wieder auf Weihnachten zu, und wir haben noch kein Geschenk. Kein Problem, lass mal ein Fotobuch erstellen, da freut sich Onkel Edgar bestimmt. Wir haben da doch noch irgendwo die Fotos aus unserem letzten Urlaub, und vielleicht hat Tante Ingrid auch noch ein paar. Gruselig.

Ich könnte das Fotobuch lobpreisen: Total kreativ, total individuell, mit Mühe und im besten Fall mit Liebe gestaltet. All das, was ich von einem guten Geschenk erwarte. Denn Geschenke sollten meiner Meinung nach immer auch Gesten sein. Aber genau hierin liegt mein Problem. Mittlerweile sagen Fotobücher: „Uns ist nichts Besseres eingefallen, also haben wir das Angebot von dm genutzt.“ Das ist traurig.
Natürlich kostet das Erstellen von Fotobüchern Zeit und Mühe. Natürlich mache ich mir meine Gedanken darüber, was Onkel Edgar gefallen könnte. Und doch ist es irgendwie halbgar. Es ist die letzte Verzweiflung, die aus den vorlagenschwangeren Seiten spricht. Der letzte Anker, ein möglichst kreativ wirkendes Geschenk zu gestalten. Denn meiner Meinung nach entscheiden sich die meisten für das Gestalten eines Fotobuchs, um damit zu sagen: Hey, schau mal, ich habe mir Mühe gegeben. So wichtig bist du mir.
Wenn aber diese Aussage wichtiger wird als die eigentliche Geste, wenn die Geste also plötzlich entscheidender wird als das Geschenk und das Geschenk nur noch als Geste gemacht wird, dann stimmt da auch wieder etwas nicht. Ich drücke mit dem Schenken eines Fotobuchs eben nur aus, wie sehr ich mir Mühe geben WOLLTE, aber nicht, wie sehr ich mir Mühe gegeben HABE. Der Klassiker: Gut gedacht, schlecht gemacht.
Ein Fotobuch ist bei der Flut von Angeboten eben nichts Individuelles mehr, nichts Kreatives, nichts mit Herzblut. Es ist so sehr zum Mainstream geworden, dass ich auch einen Bilderrahmen mit Fotos verschenken könnte, um denselben Effekt zu erzielen. Da nehme ich lieber das gute alte Foto-Album. Mit handschriftlichen Texten, mit eingeklebten Fotos und Souvenirs, mit persönlichen Erinnerungen. Aber bitte, bitte nicht ein aus weitgehend hässlichen Vorlagen zusammengeschustertes, hochglänzendes Billig-Massenprodukt, das mir sagt, dass meinem Gegenüber offenbar nicht mehr zu mir eingefallen ist.

P.S.: Es gibt übrigens durchaus Fotogeschenke, die ich großartig finde: Memorys beispielsweise, die sich immer wieder gemeinschaftlich erspielen lassen. Puzzles, um eine Nachricht zu übermitteln. Zur Not meinetwegen auch noch Kuschelkissen und Mauspads.

P.S. 2: Und wem zu Weihnachten WIRKLICH nichts anderes einfällt: Alle großen, seriösen Spenden-Organisationen bieten Gutscheine an. Das ist definitiv nichts Überflüssiges!

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