Frauen an die Macht!

Frauenquote
Warum die Quote eine Chance sein sollte…

Nun ist sie also beschlossen, die Frauenquote. Gefühlt gibt es nur wenige Gesetze, die für so viele Diskussionen innerhalb aller Gesellschaftsschichten führen und für so viel Aufregung sorgen. Allerdings habe ich langsam den Eindruck, dass die Befürworter(innen) immer weniger werden – oder sich schlichtweg nicht mehr trauen, sich zu Wort zu melden?

Ich bin pro Quote. Ganz eingeschränkt kann ich das so aber nicht stehenlassen. Ich empfinde es als Armutszeugnis für eine Gesellschaft, dass so etwas überhaupt nötig ist. Dasses erforderlich ist, zeigt sich aber doch an den Ergebnissen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Bereits in den 1980er Jahren war das Problem so bekannt, dass zum Beispiel Die Grünen eine solche Quote festlegten. Und seitdem hutzeln wir rum. Wissend, dass das Problem besteht, unfähig oder unwillig, es zu ändern. Noch immer wählen männliche Führungskräfte ihre Nachfolger und Kollegen aus. Noch immer wählen sie die, die ihnen vermeintlich näher stehen, die sie vermeintlich besser verstehen, mit denen sie sich vermeintlich identifizieren können und mit denen sie gerne ein Bierchen trinken gehen (um mal ganz klischeehaft zu sein).

Warum also noch länger warten? Warum noch länger darauf hoffen, dass ein gesellschaftliches Umdenken endlich so weit geht, dass sich das Problem von ganz allein löst? Gesellschaftliche Reformen kommen nicht von Ungefähr und es macht Sinn, einen Denkanstoß zu geben. Um mehr kann und darf es bei einer solchen Quote nicht gehen.

Dass nur gut 100 Unternehmen unter die neue Regelung fallen, dass Positionen leer bleiben sollen, wenn sich keine geeignete Bewerberin findet, dass es keine Ausnahmen gibt, das kann man alles diskutieren und ablehnen. Aber es erscheint mir konsequent. Viel zu oft werden in der Politik Schlupflöcher geschaffen, die von chauvinistisch-konservativen Männern liebend gerne angenommen werden. Und ja, vielleicht müsste das Ganze sogar noch viel weiter gehen. Vielleicht müsste es höhere Quoten geben, vielleicht Quoten für Nicht-Heterosexuelle, für Nicht-Weißhäutige, für Über-50-Jährige. Aber nehmen wir doch erst mal diese Herausforderung an, bevor wir über Ansätze diskutieren, die vielleicht noch weitere Jahrzehnte brauchen – oder sich von alleine lösen. Denn um eine Herausforderung handelt es sich zweifelsohne.

Nicht nur für die Unternehmen, die plötzlich Stellen mit Frauen besetzen müssen. Ich glaube gar nicht, dass die Schwierigkeiten auf dieser Seite tatsächlich so groß sind, wie immer getan wird. Vielmehr stelle ich es mir für die eingestellten Frauen und den Rest des Unternehmens als Herausforderung vor. Merkwürdige Kommentare bezüglich ihres Daseins als “Quoten-Frau”, aufschreiartige Bemerkungen am Kaffee-Automat, ein Anzweifeln jeglicher Kompetenzen der im doppelten Sinne betroffenen Frauen – all das sind Verhaltensweisen, auf die sie sich gegebenenfalls (leider) einstellen müssen. Und die sie durchstehen müssen, wie die Feministinnen der ersten Generation jegliche patriarchalisch fundierten Vorurteile.

Das wiegt im Zweifelsfall schwer für die entsprechenden Frauen, und auch wenn ich hoffe, dass es gar nicht zu einem solchen weiteren Armutszeugnis kommt, wünsche ich ihnen, dass sie mit erhobenem Kopf ihre Position ausfüllen, sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen und stolz sind auf das, was sie erreicht haben. Quote hin oder her: Es gibt ja diese kompetenten Frauen, die aufgrund ihrer Qualifikation verdient haben, in die jeweiligen Posten zu kommen.

Für mich ist die Quote keine langfristige Lösung. Es erscheint mir noch immer wünschenswert, dass sich das Problem von alleine löst – dass es sich um ein Problem handelt, halte ich für indiskutabel. Wäre es nicht schön, wenn die Frauen, die jetzt endlich zu einem Drittel die Unternehmen fluten, für ein Umdenken in der Chefetage sorgen? Und durch ihre Entscheidungen, ihr Verhalten und ihre Kompetenz dafür sorgen, dass irgendwann gar nicht mehr darüber nachgedacht wird, ob der Bewerber oder die Bewerberin männlich oder weiblich ist? Bis wir aber in dieser gesellschaftlichen Utopie – und ich hoffe, dass es eben keine langfristige Utopie ist – angekommen sind, hoffe ich, dass die Quotenregelung hilft und nicht kontraproduktiv ist, sondern für einen positiven Erfahrungswert sorgt.

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