Gendermund tut Wahrheit kund

Undoing Gender mit Collien Ullmen-Fernandes

Da zeigt das ZDF eine Doku über Gender. Klar, dass ich mir die angucken muss. Ansatz: nicht neu, aber nicht doof. Lerneffekt: mittel. Unterhaltungswert: mittel bis hoch. Prädikat: mittelmäßig sehenswert. Fazit: im Fernsehen nix Neues, wenn mensch sich schon mal mit der Thematik auseinandergesetzt hat.

Ja, ich geb es zu: Ich gehöre nicht unbedingt zur Zielgruppe dieser Dokumentation. Dazu habe ich mich wahrscheinlich schon zu viel und zu intensiv mit der Gendersache beschäftigt. Dennoch hat mir die Idee gefallen, das Gender-Experiment von Vorurteilen und Klischees mal in einer Klasse von 7- bis 8-Jährigen durchzuführen.

Den Kindern mal Spielzeug zu geben, mit dem sie sonst nicht spielen würden. Sie zu fragen, ob die bereit seien, Klamotten des anderen Geschlechts zu tragen und sie in Berufe reinschnuppern zu lassen, die sie (bisher) nur mit dem anderen Geschlecht verbunden hatten. Und dasselbe dann mit den Eltern zu machen: Würden Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter dieses oder jenes Shirt anziehen? Das finde ich grundsätzlich super, weil so herrlich entlarvend.

Die Erkenntnisse, die dabei entstehen, sind (natürlich) nicht neu. Und auch die Aussagen der Psychologen, Psychiater, Genderforscher sind keine neuen. Das macht sie aber nicht weniger relevant. Sie uns daher immer wieder vor Augen zu führen, ebenso wie die Absurdität der Problematik, das ist schon gut.

Da ist die Mutter, die bereit ist, ihrer Tochter ein rosa Shirt mit der Aufschrift „Aussehen ist Alles.“ anzuziehen, ohne darüber nachzudenken, wie pervers eine solche ist. Oder das Zeigen geschlechtsspezifischer Prinzessin-, Superheld- und Dinosaurier-Shampoos für Kinder. Böse Eltern, die die „falsche“ Flasche kaufen. All das überrascht nicht. Es muss und darf aber traurig machen, dass es eben nicht (mehr) überrascht.

Collien Ullmen-Fernandes ruft uns das unterhaltsam ins Gedächtnis. Regt zum Nachdenken an, ohne zu verurteilen. Und vor allem ist sie konstruktiv: Sie lässt die Jungs eben mit Mädchenspielzeug spielen, sie stellt den Kindern Berufe vor, die die mit dem anderen Geschlecht verbinden, sie lässt sie ausprobieren, sie fragt, wie es besser werden kann. Dass die Kinder dabei Spaß haben – die Jungs durchaus mit den Traumfängern, die Mädels mit den Autos – oder eben nicht, das ist wunderbar zu beobachten.

Eben die Erkenntnis, dass nicht alle alles mögen. Dass nicht alle alles mögen müssen. Aber dass alle alles mögen dürfen. Ohne verurteilt zu werden. Weil Neugier und Offenheit extrem wichtig sind – und was Tolles. Ich kann nichts beurteilen oder gar verurteilen, das ich nicht kenne. Dazu muss ich – gerade als Kind – aber herangeführt werden. Von meinen Erziehungsberechtigten oder Lehrern. Diese gesellschaftliche wie private Verpflichtung, die wird sehr schön betont. Und nur die kann am Ende mal zum Rucken führen. Und Rucken führt zu Wandel. Irgendwann. Hoffentlich.

 

Zur Doku.

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