Lucky Lotto

Warum Glücksspiel das Glück aufs Spiel setzt …

Irgendwie kommt es mir so vor, als gäbe es in letzter Zeit immer mehr Angebote, um das eigene Geld spielerisch loszuwerden. Von Rubbel-Losen über die klassische Sportwette bis hin zu Poker, Blackjack und Roulette – offline, aber vor allem auch online. Natürlich immer versehen mit dem Hinweis, dass Glücksspiel gefährlich ist, süchtig machen kann und in Deutschland erst volljährig gestattet ist. Aber nie mit dem Hinweis, dass es auf keinen Fall glücklich macht.

Natürlich macht es Spaß zu spielen. Zu daddeln, zu denken, zu knobeln, zu überlegen, zu planen. Ich selbst – ich bin einfach ein Risiko-Junkie – mache sogar regelmäßig bei Kreuzworträtsel-Preisausschreiben mit, ich verrückte Nudel. Und ja, es ist total befriedigend, wenn da tatsächlich ein Münzchen bei rausspringt. Oder ein Gutschein. Oder ein Sachpreis. Trotzdem kann ich mir partout nicht vorstellen, dass das langfristig hundertprozentig zufrieden macht.

Zum einen ist da die Sache mit dem Geld. Ich bezweifele ja generell, dass der Besitz und das Anhäufen von Moneten so glücklich macht, wie uns Dagobert Duck hat glauben lassen. Denn alleine daraus kann ein ungesunder Suchtgedanke entstehen: Wann habe ich denn genug? Wann sind meine Bedürfnisse erfüllt? Geht das überhaupt oder mündet es eher in einer Immer-Mehr-Wollen-Spirale, die garantiert unzufrieden macht? Was will ich mit Geld erreichen – materiell und ideell – und kann ich das eigentlich? Wie wichtig sind mir Status und Ansehen? Letztendlich also immer in einer Überprüfung meiner eigenen Werte.

Ein weiterer Punkt ist dann eben die Sache mit dem Glück selbst. Die (Sport-)Wetten sind – ebenso wie vielleicht Aktiengeschäfte – die einzige Kategorie, bei der ich ohne entsprechendes Fachwissen nicht wirklich eine Chance habe, an Geld zu kommen. Klar kann ich beliebig auf irgendwas setzen, das ist ja aber nicht Sinn der Sache und führt vermutlich auch zu wenig Spaß und Geld. Bei allen anderen Möglichkeiten ist es natürlich tatsächlich so: ein bisschen Denken – Nehme ich eine weitere Karte? Welche Wahrscheinlichkeit gibt es für „impair“? Sieht X aus, als habe er bessere Karten als ich? –, aber vor allem viel, viel Zufall. Das hat uns schließlich schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Schule gelehrt: Eine Wahrscheinlichkeit bedeutet kein garantiertes Ergebnis.

Das Ergebnis wirft dann wieder Glücksfragen auf: Gewonnen, verloren, weitermachen, aufhören, sich zufrieden geben, sich freuen, verzweifeln. Und selbst wenn ich den Jackpot knacke: Was macht das mit mir? Macht mich das glücklich? Wie oft hören wir von Lotto-Millionären, die ihr Geld innerhalb kurzer Zeit verprasst haben oder deren Beziehungen wahnsinnig gelitten haben. Überdramatisiert? Vielleicht. Aber die wirklich großen Glücksgeschichten, die hören wir doch eher nicht im Bereich Glücksspiel. Denn mit Glücksspiel – so zumindest mein Eindruck – setze ich mein Glück eher aufs Spiel, als glücklich zu werden.

Die Namensgebung im Deutschen ist daher – haha! – auch eher unglücklich. Andere europäische Sprachen nennen es vielfach Zufallsspiel, und das trifft es meiner Meinung nach wesentlich besser. Es lässt zum einen die Zufriedenheit, also das vermeintliche Glück in dem Fall, außen vor. Zum anderen aber betont die Zufallsnamensgebung auch viel deutlicher, dass das Ergebnis eben nicht voraussehbar ist und nicht zum Glück führen kann und muss. Denn: Was beim Spielen am Ende „zufällt“, das ist variabel. Glück aber ist es wahrscheinlich nur selten.

 

Wer eine passende Serie angucken möchte: Die Lottokönige.

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