Ich habe Recht(s)!

Warum Meinungsfreiheit das ist, was sie mal war…

Was haben Til Schweiger, Sebastian Weiermann, Felix Huesmann, Heinrich Schmitz und Markus Nierth gemeinsam? Sie alle haben etwas gegen die rechte Szene gesagt oder geschrieben und sind dafür massiv von dieser bedroht worden. Teilweise hatte das starke Antihaltungen zur Folge, teilweise Rücktritte. Und das Schlimme ist: Die Liste ließe sich fortsetzen. Solche Bedrohungen sind eine ganz massive Bedrohung für unsere Kultur und unsere Gesellschaft.
Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut einer Demokratie. Ganz egal, wie man zu bestimmten Aspekten dieser Regierungsform oder zur Gesellschaft generell steht. Ohne Meinungsfreiheit ist ein zivilisiertes, angstfreies, offenes und modernes Leben nicht möglich. Kann gar nicht möglich sein. Aus diesem Grund gehöre ich zu den Menschen, die da auf Konsequenz bestehen. Meinetwegen – und auch wenn das schmerzhaft für hoffentlich die meisten ist – sollen auch Rechtsgesinnte ihre kruden Ansichten in der Welt verbreiten. Gleichsam hoffe ich, dass diese nicht oder nur unzureichend auf fruchtbaren Boden fallen.
Wenn man für Meinungsfreiheit ist, dann muss man auch damit leben, dass es eben andere Ansichten als die eigene gibt. Das gilt für rechts, links, mittig, liberal, konservativ. Ich muss nicht gut finden, was andere denken und verbreiten, ich kann widersprechen, ich kann diskutieren, ich kann ihnen einen Vogel zeigen. Alles okay. Was nicht okay ist, ist andere Leute aufgrund ihrer Geisteshaltung massiv unter Druck zu setzen.
Til Schweiger musste diverse Shitstorms erleben aufgrund seines Engagements in der Flüchtlingsproblematik, die Journalisten Weiermann und Huesmann mussten sich ihre eigenen Todesanzeigen gefallen lassen, der Blogger Schmitz gibt auf, nachdem jemand bei der Polizei unter seinem Namen den Mord an seiner Frau bekanntgab und der Bürgermeister von Tröglitz trat nach Drohungen von seinem Amt zurück. Das kann nicht sein. Das ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.
Es ist nicht so, dass ich nicht verstehe, dass die Leute aufgeben. Gerade wenn man Familie hat – oder überhaupt Menschen, die einem etwas bedeuten – lastet eine schwere Verantwortung auf den Schultern all derjenigen Menschen, die sich mit ihrer Meinung gegen eine solche Gruppe stellen. Die Größe, die Macht, die Strukturen, die hinter der rechten Gemeinschaft stehen, sind weder leicht zu beurteilen noch einzuschätzen. Zu groß, zu undurchsichtig, zu verborgen – ja, leider oftmals zu subtil. Und dennoch darf es nicht sein, dass solche Aktionen Wirkung zeigen. Dass sie dazu führen, dass tatsächlich der Mund gehalten wird. Dass sie also genau das erreichen, was sie bewirken sollten. Wir dürfen der rechten Szene nicht nur nicht diese Genugtuung geben, sondern müssen auch einen gefährlichen Kreislauf durchbrechen.
Das ist nicht ganz leicht. Denn wenn man einmal aufgrund seiner Haltung bedroht wurde – und zwar auf seriöse, nicht lustige Weise – dann hat man erst mal Angst. Und dann kann es eigentlich nur eine einzige Lösung geben: Öffentlichkeit. Die Problematik muss bekannt gemacht werden. Ich muss mich hinstellen können und zu meiner Meinung stehen, in dem Wissen, dass breite Schichten der Bevölkerung hinter mir stehen und im Zweifelsfall bereit sind, mir zu helfen. Und da sind dann zwei Parteien in der Pflicht: Zum einen die großen Medien, die nicht zulassen dürfen, dass diese Problematik in Vergessenheit gerät, zum anderen aber jeder einzelne Medienkonsument. Letztere müssen klar machen, dass sie sich dafür interessieren, dass sie mit Informationen versorgt werden wollen, dass sie – wenn auch nicht krass links – einfach ganz klar gegen rechtes Gedankengut eintreten. Jeder einzelne von uns muss klar machen, wo er steht. Wir teilen und liken so viel. Teilen wir doch auch mal diese Haltung und stellen uns gemeinsam gegen etwas Böses. Und nicht den Kopf desinteressiert oder verängstigt in den Sand stecken. Das hatten wir schon mal vor 70 Jahren.

Zum Nachlesen:
Tröglitz’ Rücktritt
Rechte Hassbürger
Blogger geben auf
Nazi-Bedrohung

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