Iss grün!


Warum ich Lebensmittelampeln für grundverkehrt halte…

Ein gemütlicher Samstagabend. Wir sitzen vor dem Fernseher, haben Freunde eingeladen und öffnen knusprig-vergnügt eine Chipspackung. Alle langen hinein, es wird geplaudert, gelacht, geknabbert. Nur eine Freundin nimmt nichts. Warum? „Ich esse keine Lebensmittel mit einer roten Ampel drauf.“ Zack. Stimmung im Keller.

Seit Jahren schon wird darüber diskutiert, ob für Lebensmittel nicht endlich eine Ampelkennzeichnung eingeführt werden soll, damit auch der hinterletzte Vollhorst gesunde und böse Lebensmittel voneinander unterscheiden kann. Die Briten – unser aller Vorbild – machen es vor. Ich halte das für grundfalsch.
Allein schon die Annahme, dass es gesundes und ungesundes Essen gibt, halte ich mittlerweile für fragwürdig. Natürlich ernährt sich jemand, der ausschließlich von Pommes und Cola lebt, nicht gesund und schadet langfristig seinem Körper. Vermutlich wird er übergewichtig, bekommt Pickel, schadet seinem Herzen, bekommt Diabetes etc. Okay. Aber: Ist das nicht seine Sache? Sind wir nicht alle irgendwie selbst dafür verantwortlich, was wir mit unserem Körper treiben? Und: Würde uns ein Ampelsystem wirklich dazu bringen, gesünder zu essen?
Ich denke, letztendlich hätte ein solches System denselben Effekt wie die nett abschreckenden Sprüche auf Zigarettenpackungen. Keinen. Ich bezweifle stark, dass sie tatsächlich irgendwen vom Rauchen abhalten oder auch nur für Aufklärung sorgen. Ich halte uns alle für intelligent genug, gesunde und ungesunde Lebensmittel voneinander zu unterscheiden und für mündig genug, zu entscheiden, ob und in welchem Umfang wir sie essen. Warum also diejenigen quälen, die ohnehin Bescheid wissen und das Essverhalten derjenigen nicht zu ändern, die es ohnehin nicht kümmert?
Für mich stellt eine solche Kennzeichnung einen weiteren Schritt in Richtung Entmündigung dar. Mir erschließt sich nicht, warum die Verantwortung über das eigene Essen nicht jedem selbst obliegt. Anhand der wirklich ausführlichen Nährwertangaben und Inhaltsstoffübersichten hat jeder, der sich dafür interessiert, die Möglichkeit darüber zu urteilen, ob ein Lebensmittel seinem persönlichen Konzept gesunder Ernährung entspricht. Und jeder darf sich gerne mal mit Freude – ohne rote Ampel, die es einem verdirbt – für ein ungesundes Lebensmittel entscheiden. Das hat dann nämlich schlichtweg mal mit Genuss zu tun.

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