Iiiih, kompliziert!

Warum „kompliziert“ nicht schlimm ist, sondern ein Zeichen von Verstand…

Eine Frau muss heutzutage vieles sein: jung, schön, karriereorientiert, eine gute Mutter von zwöfzig Kindern, dünn, humorvoll, ein guter Kumpel und vielleicht noch ein paar andere locker zu managende Attribute. Was sie nicht sein darf, ist „kompliziert“. Was auch immer das bedeuten mag.

Mit einer Frau muss man Pferde stehlen können, sie muss sich aber auch in den richtigen Kontexten und Kreisen korrekt zu verhalten wissen. Ihre Kleidung muss nicht nur stilvoll sein, sondern sich auch perfekt ihrer perfekten Figur anpassen. Über schmutzige Witze soll sie lachen, auch wenn sie auf ihre Kosten gehen, selbst aber bitte niemals rülpsen, furzen oder gar selbst schmutzige Witze machen. Ihre Brüste sind trotz jeweils 5-jähriger Stillzeit der zwölfzig Kinder perfekt geformt, ebenso wie ihr Körper. Ihr Teint glänzt seidig, der Stress kann ihr nichts anhaben. Make-Up hätte sie eigentlich nicht nötig und sie braucht auch keine Zeit, um es aufzutragen. Es ist klar, worauf ich hinauswill. All das kann eine Frau gar nicht in sich vereinen.
Meistens ist das für die männliche sowie für die professionelle Spezies unserer Art vermutlich auch in Ordnung. Aber nur in Maßen. Erfüllt eine Frau zu viele dieser Ansprüche nicht, entwickelt sie gar eine eigene Meinung oder weigert sich willentlich, bestimmten Konventionen zu entsprechen, dann gilt sie gleich als „kompliziert“. Eine Frau, die Widersprüchliches offen auslegt, die will Mann nicht. Die ist eben zu kompliziert.
„Kompliziert“ kommt aus dem Lateinischen von „complicare“ = verwirren. Liegt da der Denkfehler der Männer? Verwirrt sie eine Frau mit eigenem Kopf zu sehr, als dass sie sie akzeptieren könnten? Sind Männer zu einfach gestrickt für komplizierte Frauen? Sind die ihren schlichten Gemütern und der empfindsamen Seele einfach zu viel? Ich bezweifele es.
Ich bin überzeugt davon, dass es sich Männer gerne einfach machen (das ist bei Frauen oftmals übrigens nicht anders). Zu selten machen sie sich allerdings die Mühe hinter die Fassade der „Komplikation“ zu schauen. Ist ja auch einfach: Die Auswahl der vermeintlich unkomplizierten, vollkommen der Norm entsprechenden Frauen ist ja groß genug. Warum sich mit dem Restmüll auseinandersetzen, wenn Mann es leicht haben kann?
Dabei sind die Frauen, die auf den ersten Blick kompliziert erscheinen, oftmals die, bei denen sich ein solcher Blick lohnen würde. Vielfach haben sich gerade diese Frauen viel mit Erwartungen, mit Ansprüchen, mit Konventionen auseinandergesetzt. Sie durchdenken viel, aber durchdenken auch mit Sinn und Verstand. Vielleicht gibt es Männer, für die das nicht passt. Frauen, die denken, igitt. In den meisten Fällen glaube ich da allerdings nicht so recht dran. Ich halte die meisten Männer für fähig, eine kluge Frau wertzuschätzen, auch wenn sie ihre Angst vielleicht erstmal abschreckt.
Und nun, Männer auf Partnersuche und Chefs in Chefsesseln? Überdenkt eure Erwartungen: Wollt ihr wirklich die superhübsche Modelfrau, die mit euch zu McDonald’s geht, dafür aber vielleicht zu strutze ist, um euren Kindern ein bisschen Intellekt weiterzugeben? Wollt ihr wirklich die Mutti, die drei Tage nach Entbindung wieder in ihrem Ledersessel sitzt und knallhart ihre Untergebenen kündigt, dafür aber so kreuzunlustig ist, dass sie zum Lachen in den Keller geht?
Selbstverständlich gibt es sie, diese perfekten Frauen, die alles in sich vereinen. Es sind ungefähr Null Komma Periode Null Eins Prozent der Frauen. Denn: Nobody’s perfect. Männer übrigens auch nicht. Zu welchen Kompromissen sind wir bereit, um trotzdem – oder auch deswegen – glücklich zu werden?

Und bis dahin bitte mal ein bisschen Namika hören: „Ich bin nicht kompliziert, du verstehst mich nur nicht!

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