Let’s play together!

Warum kooperative Spiele meiner Meinung nach die besseren sind …

Erinnert ihr euch noch an den Frust bei „Mensch, ärger dich nicht“, wenn man rausgewurfen wurde, kurz bevor das Häuschen erreicht war? Und wie lange es dann aus Prinzip gedauert hat, bis die nächste 6 gewürfelt und man neustarten konnte? Ebenfalls Frust als Folge. Das war schrecklich. Niemand kann mir erzählen, dass er da wirklich Spaß dran hatte.

Natürlich ist es gesellschaftlich hochgradig lehrreich, mal zu verlieren. Und wir alle wissen, dass im Scheitern das größte Potenzial für Verbesserung, Veränderung und die Lust auf Neues steckt. Blablabla. Sind wir mal ehrlich: Wir hassen es, zu verlieren. Der eine vielleicht mehr, der andere weniger, aber schön finden wir das alle nicht.

Deswegen finde ich kooperative Spiele so schön. Sie halten uns nicht vom Kindsein ab: Wir können weiterhin spielen, spielen, spielen. Sie sind ein wunderbares Miteinander. Sie sind gesellschaftliche Ereignisse. Sie machen Spaß. Am Ende sind alle frustriert oder keiner. Das ist schließlich auch bekannt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Auf geht’s, Freunde, neue Runde, gegen das Spiel. Gemeinsam statt einsam.

Ein nicht spielender Mensch ist kaum vorstellbar. Schon in mittelalterlichen Schänken ging es spieltechnisch hoch her, aber ich vermute ja, dass es auch zu Jesus‘ Zeiten schon Spieler gab – und vielleicht haben die Höhlenmenschen ja bereits Knochenmikado oder Mammut-Jenga gespielt?

Im Spiel entwickeln wir Fähigkeiten. Es gilt daher auch – erhobener, belehrender Zeigefinger – als (älteste) Kulturtechnik. Wir denken, grübeln, planen, organisieren. Im Spiel zeigen sich unsere schlechtesten und unsere besten Eigenschaften: Wir sind hämisch, vorfreudig, besorgt, schadenfroh, mitfühlend, aggressiv, überlegt, strategisch, egoistisch, altruistisch, leichtsinnig oder sicherheitsorientiert. Aber warum muss das gegeneinander gehen?

Das kooperative Spiel empfinde ich dagegen als i-Tüpfelchen: Es fördert all unser Positives, lässt aber das schlechte Scheitern, die Wut aufeinander weg. Es fördert das spielerisch-schöne Miteinander statt das kapitalistisch böse Gegeneinander, das nervige Sich-aneinander-messen-Wollen.

Es gilt, gemeinsam eine weltumspannende Seuche auszurotten (Pandemie), statt ganz alleine in seinem Kämmerchen ein Elixier zu finden. Es gilt, ein ganzes Land oder auch Raumschiff vor Monstern und finsteren Gestalten zu schützen (Andor/Die Zwerge/Space Alert), statt den einsamen Heldentod gegen den Drachen zu sterben. Es gilt, auf einsamen, mystischen Inseln und in abgeschlossenen Räumen oder gar Schlössern zu überleben, ihnen zu entfliehen, indem man sich gegenseitig hilft (Die verbotene Insel, Robinson Crusoe, E.X.I.T., Verflucht!), statt einsam zu verhungern und zu erfrieren.

Gerade weil aber das Gewinnen bei solchen kooperativen Brett- und Kartenspielen oftmals gar nicht so leicht ist, bleibt der Aspekt der Herausforderung und der Ehrgeiz im kapitalistischen Erziehungssinn unserer Gesellschaft durchaus erhalten. Es treibt uns an, weiterzumachen, um endlich das verdammte Spiel zu besiegen. Dem das am Ende nicht mal wehtut. Das am Ende nicht frustriert ist. Kann jawohl nicht sein, dass die wir uns von Plastik und Pappe austricksen lassen. Wir. Nicht ich.

Und dann gibt es da natürlich noch die digitalen Formen und die Team-Spiele, die nicht unter den Tisch fallen sollen. All die schönen Partygames (Tabu, Activity, Cranium,…), bei denen wir gemeinsam gegeneinander spielen. Im Team und oft intim (Privacy (scharf wie Chili)), aber auf jeden Fall kommunikativ. Und auch hier gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid, denn wenn wir verlieren, dann als Gruppe. Gemeinsam verkackt. So what? Nächste Runde. Wir offenbaren unsere Schwächen – „Ich kann nicht malen!“, „Wer ist denn …?“, „Boar, bist du schlecht im Erklären!“ –, aber wir können gemeinsam drüber lachen.

Und ja, nennen wir sie ruhig: Auch Egoshooter haben bei aller Brutalität und allem individuellen Überlebensstrategie im kooperativen Modus oder bei Capture The Flag-Aufgaben durchaus etwas pädagogisch Gemeinsames. Und dann gibt es auch noch so schöne Spielchen wie Ibb und Obb, bei denen man sich zu zweit auf dem Sofa durch die Welt arbeitet und auf den anderen angewiesen sein darf. Das ist nicht nur hochgradig kommunikativ, sondern auch spannend und förderlich für jede Beziehung.

Kooperative Spiele fördern alles, was positiv am Spielen ist. Sie stärken unseren Teamgeist, unseren Ehrgeiz, unsere Kreativität. Aber der Frust, alleine zu verlieren, der fällt weg. Verlieren wir, können wir uns als Team trösten, können die eventuellen Fehler diskutieren und den Wunsch entwickeln, es noch einmal – zusammen – zu versuchen. Also, geht spielen!

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