Love Letters

Warum ich der guten alten Post mal danken muss …

Seit einem guten Jahr tue ich es wieder: Ich führe Brieffreundschaften. Das heißt, so richtige, traditionelle, handgeschrieben, mit Umschlag und Briefmarke. Ginge alles auch per Mail. Sogar wesentlich schneller. Aber lange, lange nicht so schön.

Wie es angefangen hat, weiß ich gar nicht mehr so genau. Als Kind war ich angefixt, nachdem ich einen Brieffreund via Helium-Ballon gefunden hatte (Kennt das noch jemand?) und mich daraufhin im guten, alten Letternet anmeldete (Kennt das noch jemand?). Aber so richtig intensiv wurde das eigentlich nie.

Wiederholungstäterin wurde ich dann vor etwa einem Jahr. Vermutlich war es irgendeine Schnapsidee, die mich dazu gebracht hat, mich im ersten Brieffreundenetzwerk anzumelden. Inzwischen – Wandel der Zeit und weil das Letternet leider (!) tot ist – online. Seitdem schreibe ich mir in schöner Regelmäßigkeit mit Menschen von überall auf der Welt. Aus Frankreich, den USA, der Elfenbeinküste, Kanada – und Oldenburg und Hannover sind neuerdings auch an Bord. Die interessantesten Gespräche müssen nicht immer in Briefen um die halbe Welt stattfinden. Im Gegenteil: Der Austausch auf Deutsch ist dann doch manchmal intensiver, weil einfacher und eindeutiger.

Ich erzähle das auch nicht, um mich zu profilieren, sondern um mich einfach mal zu erfreuen und meine Freude – wie absurd! – online zu teilen: an der Langsamkeit der handgeschriebenen Zeilen, an dem Gefühl, das ich habe, wenn ich meinen Briefkasten öffne und einen liebevoll gestalteten Brief vorfinde, aber genauso, wenn ich einen solchen wegschicke – in der Hoffnung, dass er jemand anderem Freude bringt.

Warum das so ist, habe ich noch nicht rausgefunden. Denn per Mail wäre all das genauso möglich. Mal abgesehen davon, dass sich vermutlich allerdings tatsächlich kaum jemand die Mühe macht, Mails schön zu gestalten, ist es doch irgendwie etwas anderes.

Liegt es daran, dass das Versenden von Briefen Geld kostet und wir uns deshalb mehr Mühe mit Gestaltung und Inhalt geben? Liegt es daran, dass wir täglich mit so vielen E-Mails überschüttet werden, die voller Spam, Werbung und Kurz-Infos stecken, dass wir von diesem Medium generell nichts Tolles mehr erwarten?

Ich weiß es nicht, aber ich freue mich an der langsamen, schönen, achtsamen Kommunikation via Briefpost. Und erfreue damit sogar meinen Postboten, der letztens zu mir sagte: „Zu Ihnen komme ich richtig gerne, Sie bekommen immer so schöne Briefe!“

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