Me Not Too

Warum mir ein Hashtag nicht genug ist …

Ich bin weiblich. Würde ich mich selbst als Feministin bezeichnen? Nein. Trotzdem bin ich für männliche und weibliche Gleichberechtigung. Zu Abtreibung habe ich ein gespaltenes Verhältnis, halte es aber für selbstverständlich, dass das eine individuelle Entscheidung sein muss. Mit Prostitution kann ich ebenfalls leben, wenngleich sie für mich selbst beruflich nicht unbedingt erstrebenswert erscheint. Das nur mal so zu den großen feministischen Debatten. Übrigens bin ich auch absolut für Gleichberechtigung im Privaten: sexuell, kindertechnisch, beruflich, das Einkommen betreffend und so weiter… #MeToo geht mir allerdings zunehmend auf den Keks.

Nein heißt nein, das ist für mich nichts, worüber mensch diskutieren muss. Das sollte eine absolute Selbstverständlichkeit sein. Genauso übrigens, wie auch Ja Ja heißt. Das wird ja gerne mal totgeschwiegen: Denn nur weil ich als Frau mit vielen Männern schlafe (und das absurderweise vielleicht sogar genieße), darf ich keinesfalls ein schlampiges Etikett aufgedrückt bekommen. Jeder, wie er lustig ist. Ich finde es auch in Ordnung, mit dem eigenen Vorgesetzten zu schlafen oder sonstige sexuelle Handlungen auszuführen, solange die Regeln und Grenzen dabei ganz eindeutig und von beiden Seiten festgelegt werden. Andernfalls geht es schnell in Richtung Abhängigkeit und berufliche Konsequenzen. Das allerdings muss doch jeder für sich selbst abwägen und entscheiden dürfen, ohne von irgendwem dafür verurteilt zu werden.

Ich kann lauthals über sexistische Witze lachen, nicht aber über frauenfeindliche. Die Grenze ist oft nah beieinander, und sicher ist da Vorsicht geboten, aber warum nur von Männern? Immer mehr habe ich den Eindruck, da kommt es zu einer Vorverurteilung des männlichen Geschlechts. Die sind die per se Bösen, die hinter jedem – vor allem ihnen untergebenen – Rockzipfeln her sind. Das ist mir zu einfach. Und führt vor allem zu einem ungesunden, weil übersensiblen, Umgang miteinander. Wenn jemand einen Witz macht, der zu weit geht, wenn jemand Anmerkungen macht, die ich als nicht in Ordnung empfinde, wenn jemand körperlich wird, wo ich das nicht wünsche – kann ich das nicht einfach sagen, statt es direkt öffentlich zu skandalisieren.

Frauen müssen – und das soll nicht doppeldeutig gemeint sein! – durchaus lernen, ihren Mund aufzumachen. Mich im Nachhinein hinzustellen und anzuklagen, halte ich für einen absolut feigen und ungenügenden Weg, der zu nichts führt, außer Reibereien und Unwillen. Wir wünschen uns aber doch eigentlich etwas anderes: ein gesundes, lockeres, schönes Miteinander. Wenn wir in einer Situation perplex und überfordert sind, ist das natürlich in Ordnung, und nicht immer ist eine direkte Reaktion möglich. Aber selbst dann darf ein Gemeckere danach nicht die einzige Reaktion bleiben. Auch ich als Frau muss aus einer Situation lernen und mein eigenes Verhalten überprüfen: Wie hätte ich reagieren können? Nur so kann ich es beim nächsten Mal anders machen.

Die #MeToo-Debatte aber verkommt meiner Ansicht nach immer mehr zu einem unproduktiven Anklagen auf hohem Niveau. Was bringt es langfristig, die Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen, jeden zu verurteilen, der etwas dagegen sagt, und den Skandal in der Bewegung zu etablieren? Ich halte es für langfristig hilfreich, dies meinetwegen im ersten Schritt zu machen, aber mir fehlt die Reflektion. Wie geht es nun weiter? Die bösen Männer sagen am Besten gar nichts mehr, um nur ja nichts falsch zu machen? Das kann doch nicht zielführend sein.

Es muss im Kleinen anfangen und im Großen enden. Wir müssen lernen, direkt anzuklagen, nicht über Dritte, sondern persönlich. Wir müssen uns Reaktionen auf unangebrachtes Verhalten überlegen und wir müssen Gegenmeinungen akzeptieren, ohne uns direkt auf Chauvinismus-Ebene zu begeben. Erst wenn uns das gelingt, kann es entspannt möglich sein, die Tür aufgehalten zu bekommen und das Essen vom männlichen Part bezahlt zu bekommen, ohne an dessen Motive dafür zu denken. Vielleicht, liebe Mitfrauen, ist er einfach ein netter Kerl.

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