Der unwürdige Mobb

Warum Mobbing ein ekelhafter Gesellschaftsstandard geworden ist …

Normalerweise schreibe ich ja eher nicht so über Boulevard-Themen, aber das beschäftigt mich doch irgendwie zu sehr, um meine Fingerchen still zu halten. Da wird ein Junge gemobbt, weint vor laufender Kamera, und diverse Stars laden ihn zu irgendwas ein und zeigen ihm seine Unterstützung. Und das vor Weihnachten. Hach.

Abgesehen davon, dass ich mich frage, warum zur Hölle Eltern (?) ihren weinenden Jungen filmen, statt ihn in den Arm zu nehmen, finde ich die Geschichte aber schon schön. Ob echt oder nicht, solche Geschichten gibt es auf jeden Fall massenhaft. Schön finde ich sie nicht wegen der resultierenden Promi-Unterstützung, die natürlich sein muss, wenn es um eine potenzielle Verbesserung des Rufs geht. Sondern vielmehr, weil sie uns allen mehrere Dinge zeigen kann – und darauf, nennt mich naiv oder idealistisch, hoffe ich.

Zum einen nämlich, dass es Bullshit ist, jemanden zu mobben. Ich weiß nicht, warum das in unserer Gesellschaft so verdammt, verdammt oft vorkommen muss. Denn das, was Keaton in seinem Video fragt, das ist das Entscheidende: Warum? Welchen Grund gibt es, sich über andere zu erheben und zu mokieren? Ich kann mir über jeden anderen denken, was ich möchte, ich kann jeden anderen verurteilen für was auch immer, aber ich muss es ihn nicht spüren lassen. Genaugenommen habe ich nicht das Recht, ihn das spüren zu lassen und nehme ihm damit einen großen Teil seiner Würde (mir übrigens auch). Das hat niemand verdient, ganz egal, was oder wer oder wie er ist. Ganz egal.

Zum anderen finde ich aber schön, dass wir gezeigt bekommen, dass es sich lohnt, sich offen zu den eigenen Gefühlen zu bekennen. Hallo? Da weint ein Teenie! Wie peinlich ist das denn? Nein, ist es eben nicht! Es ist großartig, dass ein jugendlicher Junge einfach mal rauslässt, dass er sich wegen dieser Behandlung beschissen fühlt. Dass es ihn wütend und traurig macht. Viel besser, als sich Daddys Waffe zu schnappen und das nächste School Shooting zu starten. Denn dahin führen Wut und Frustration im schlimmeren Fall.

Wenn wir uns an die gesellschaftlichen Konventionen halten und unsere Gefühle und unsere vermeintlichen Schwächen stets unterdrücken, dann sind wir wandelnde Pulverfässer. Und jeder Kommentar ist ein kleines Zündholz.

Aus diesem Grund finde ich, dass Keaton sämtliche pathetische Promi-Aufmerksamkeit verdient hat. Ich wünsche ihm aber vor allem, dass sich seine Situation langfristig ändert. Mobbing ist ein täglicher Spießrutenlauf, den niemand verdient hat.

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