Money Makes The World Go Wrong

Warum wir uns gut überlegen sollten, ob wir über Geld sprechen möchten…

Ein Satz, der jeden Smalltalk sofort beendet? „Und? Was verdienst du so?“ Über Geld spricht man nicht. Das gehört sich nicht. Haben wir von Kindesbeinen an so beigebracht bekommen. Warum eigentlich? Und: Muss das so sein?

Ich gebe zu, dass auch ich zögere, wenn ich gefragt werde, wie viel Geld mir monatlich zur Verfügung steht. Das ist ein so tief eingebranntes Tabuthema, dass ich meine Schwierigkeiten habe, da gegen meine eigenen Konventionen anzugehen. Aber: Ich gehe dagegen an. Ich beantworte diese Frage inzwischen. Zumindest persönlich. In Umfragen gebe ich es immer noch nicht an. Das hat aber einfach was damit zu tun, dass ich dem Internet gegenüber nicht noch gläserner gegenüber werden möchte als ohnehin schon.

Die meisten Menschen scheuen sich aber vor einer Antwort. Vergleichbarkeit. Neid. Alles Ängste, die uns umtreiben. Denn wir haben die berechtigte Vermutung, dass wir – Kapitalismus sei dank – nicht alle dasselbe verdienen. Dass es andere gibt, die mehr verdienen (Neidpotenzial) und andere, die weniger verdienen (Mitleidspotenzial). Aber ist das eigentlich so wichtig? Und: Mache ich mich unglücklich, indem ich überhaupt frage?

Das kommt wahrscheinlich darauf an, aus welchen Gründen ich jemandem diese Frage stelle, und wie gut ich mit der Antwort umgehen kann: Möchte ich erfahren, was jemand verdient, der eine ähnliche Position hat wie meine, dann ist die Antwort eine gute Basis für eventuelle Gehaltsverhandlungen. Die sind wichtig, wenn ich den Eindruck habe, unangemessen bezahlt zu werden und gerne mehr hätte (oder brauche). Wenn ich den Eindruck habe, zwar unangemessen zu verdienen, es mir aber reicht, ergibt die Frage und folgende Gehaltsverhandlungen vielleicht weniger Sinn, als mir Gedanken darüber zu machen, was ich eigentlich will. Das sollte man sich aber vielleicht immer fragen, wenn man über Geld spricht, da Vergleiche hier immer passieren – und selten glücklich machen.

Stelle ich die Frage aus purer Neugier jemandem, dessen Leben und Position ich überhaupt nicht mit meinen vergleichen kann, dann ist das auch in Ordnung, solange ich nicht danach anfange, an meinem eigenen Lebensstil zu zweifeln. Steht einem Hartz IV-Empfänger – nun bekanntermaßen – mehr Geld zur Verfügung als mir, die sich jede Woche 50 Stunden für einen Job aufreibt, den sie nicht liebt, dann könnte ich gegebenenfalls ins Grübeln kommen.

Bei all den Motiven, aus denen ich die Frage stelle, muss ich mir immer bewusst sein, wie gut ich mit den Konsequenzen, alias der Antwort, leben kann. Was macht sie mit mir? Wie gut ertrage ich den Vergleich?

Was ich aber generell falsch finde, ist das Verweigern einer Antwort. Zu sagen, mein Gehalt gehe niemanden etwas an, ist nicht weit genug gedacht. Jeder muss vergleichen dürfen. Was es mit ihm macht, liegt in seiner Verantwortung. Gehalt ist nichts Intimes. Warum auch? Es kann Ansporn sein, auch wenn ich das grundsätzlich für fragwürdig halte. Übrigens mal wieder ein Argument für das bedingungslose Grundeinkommen.

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