Neonfarbener Tod

Warum das Ende der NEON für mich auch das Ende (m)einer Grown-Up-Ära ist …

Da geht sie dahin, die nächste Zeitschrift. Ist ja heutzutage nichts Neues mehr. Aber diesmal geht die erste, die mir etwas bedeutet und mit der ich unheimlich viel verbinde. Die NEON markierte das Ende meiner Kindheit, sie leitete meine Jugend ein, sie war mein papierner Roadtrip in die Welt der Erwachsenen. Ein Nachruf.

Viele kennen sie vielleicht nicht mal, aber für mich ist sie wirklich eine wichtige Erinnerung an den Übergang von Wendy und BRAVO (Girl) zu den coolen Leuten der Teenager- und Young Adult-Generation. Plötzlich waren mir die Kelly Family und Pferde nicht mehr so wichtig, plötzlich fand ich auch Schminktipps, Sexfragen und Starfotos nicht mehr sooo spannend. Stattdessen waren da auf einmal so Themen in meinem Kopf, gesellschaftlicher Wandel, Macht, Politik, echte Liebe. Ich durfte den ersten Alkohol trinken, das erste Mal (offiziell) in einer Disko tanzen, die Schule ging ihrem Ende zu. Danach kamen neue Leute und mit ihnen die NEON.

Dieses Magazin mit dem quietschbunten Cover, das plötzlich all meine Themen abdeckte und vor allem neue Fragen aufwarf. Das mich wie in einem heiligen Initiationsritus in die Welt der Gesellschaftspolitik einführte. Die cool war und nicht belehrte oder aufklärte. Die Humor hatte und die Erwachsenen in Mamis und Papis Alter mal locker-flockig ausschloss. Die NEON war auch mein erstes Zeitschriftenabo.

Irgendwann entwuchs ich ihr dann aber auch, meiner NEON. Vielleicht nervten mich die thematischen Wiederholungen, der fehlende Neuigkeitswert, die oft nichtssagenden Artikel, der steigende Preis mit steigender Werbung (trotz all meiner Verklärung und Trauer will ich ja ehrlich bleiben). Vielleicht hatte ich auch einfach anderes zu tun und war zu beschäftigt mit Leben, Uni, eigenem Kopf, eigener Beziehung, eigenen Fragen ans Universum. Wir trennten uns als Abonnenten.

Ganz selten kaufte ich mal eine Ausgabe, aber dann mussten mich die Themen schon vom Hocker hauen. Das war einfach nicht mehr allzu oft der Fall. Und dann – Anfang des Jahres – dachte ich, ich gebe der ganzen Sache nochmal eine Chance und habe ein Probe-Abo bestellt.

Nun liegt sie also vor mir, die letzte Ausgabe. Nicht mehr quietschneonfarben, sondern schwarz-gold. Und ich bin traurig. Traurig über das Ende dieses Druckprodukts, melancholisch über eine sich verändernde Welt, in der ein solches Magazin offensichtlich keinen Platz mehr findet, traurig auch über den weiteren Verlust in meinem Lebenslauf. Die „Nie wieder werde ich …“-Liste wird länger, und das zeigt mir in aller Härte: Verdammt, ich werde alt! Aber das ist ein anderes Thema und soll an anderer Stelle diskutiert werden :).

Dazu kommt, dass ich mich so alternativlos fühle. Ich stehe noch immer auf Printmagazine, da bin ich tatsächlich alt-modisch. Ich mag das Durchblättern anstelle eines Durchwischens einfach zu gerne. Langfristig werde ich mich da natürlich (leider) umorientieren müssen, aber bis dahin bleibt da noch eine ganz andere Frage: Wer oder was deckt die Themen der NEON zukünftig ab? Sie selbst im Internet? Geht so. Klar kann ich mich durch diverse Online-Angebote kämpfen, es war ja nicht so, dass es sich um einmalige Themen handelte, aber ein gedrucktes Magazin mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen? Da wird es auf dem deutschen Markt schwierig*.

Und so schließe ich diesen Artikel zumindest in Dankbarkeit ab:
Danke, NEON! Dafür, dass du mich maßgeblich in einer Phase  meiner Sozialisation begleitet hast, in der sich vielleicht entschieden hat, ob ich zur schminkenden Youtuberin oder zur nachdenklichen Kontraverserin geworden bin. In dem Sinne: Quietschbuntes Adieu!

 

*Für Tipps bin ich offen und dankbar :).

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