Oldfilmished

Warum ich das Ende des Zeichentricks betrauere …

Ich bin mit „Goldlöckchen“ aufgewachsen. Mit Mogli und dem kleinen Simba. Bambi und Strolch, das waren meine filmischen Freunde. Und dann gab es noch die kleinen roten Blutkörperchen in „Es war einmal… das Leben“. Ja, manchmal fühle ich mich alt. Heute liebe ich Manni, das mürrische Mammut, und die Pinguine, die Flugzeuge basteln. Aber während die eine Hälfte meiner Helden liebevoll gezeichnet wurde, wurden die anderen liebevoll von der Kombi „Mensch + Maschine“ ins Leben gebracht.

Das eine ist nicht besser als das andere, das möchte ich ganz klar betonen. Ich liebe Animationsfilme und ich bin fest davon überzeugt, dass die in den Studios arbeitenden Menschen da genauso viel Herzblatt reinstecken wie der damalige Zeichner in Kas Hypnose-Augen. Ich finde es nur ein bisschen schade, dass scheinbar nicht beides zusammen funktioniert.

Mit „Küss den Frosch“ gab es den vorerst (?) letzten Zeichentrickfilm seitens Disney. Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man damit aufgewachsen ist. Das macht ja auch was mit der Sozialisation zukünftiger Generationen: Wissen die mit „Malen“ und „Zeichnen“ im herkömmlichen Stil noch was anzufangen? Oder bekommen bald alle Kinderzeichnungen Manga-Augen und cartoonhafte Körperproportionen.

Diese zwei Varianten gibt es ja noch: Anime-Filme und Cartoons. Auch nett, aber eben nicht mehr der klassische Zeichentrickfilm. Genau wie Knete irgendwie mehr und mehr verschwindet – und von Figuren wie der „Augsburger Puppenkiste“ wollen wir gar nicht erst anfangen.

Ich möchte kein „Früher war alles besser“ etablieren. Ich bin nur ein bisschen traurig. Vielleicht hat das was mit dem Abschied der Kindheit und einer daraus folgenden Melancholie zu tun, aber eigentlich mag ich Zeichentrick einfach sehr gerne. Das Überladene, das Kitschige, aber vor allem das Detailhafte und vielleicht Imperfekte. Zeichentrick steht für mich durchaus auch für: Familienfilm, alles wird gut, nicht so albern und für Kunst. Ich stelle mir gerne vor, wie die Zeichner an ihren Tischen sitzen und die Figuren zeichnen. Es braucht kein 3D, um schön zu sein, ganz einfache Dinge reichen. Die Hintergründe verändern sich nicht, das Wasser glänzt nicht – und trotzdem oder deswegen ist es genau richtig.

Ja, das ist Romantisieren. Aber das dürfen wir doch auch hin und wieder, oder?

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