Oh wie schön ist Panama….

Panama
Warum mich manche Nachrichten so überhaupt nicht interessieren…

Es geht um Briefkastenfirmen im großen Stil. Es ist ein weltweiter Skandal. Es betrifft riesige Unternehmen. Es geht um Steuerhinterziehung und damit darum, dem kleinen Mann und der kleinen Frau ihr Geld wegzunehmen. Hab ich verstanden. Interessiert mich trotzdem nicht. Obwohl ich weiß, dass das traurig ist, kann ich es nicht ändern.

„Das sind Dinge, von denen ich keine Ahnung haben will“, sangen einst Die Ärzte. Die allerdings redeten da wirklich von irrelevantem Stuss, den die Leute verbreiten. Nicht von nachrichtlichen Skandalen. Mich aber interessieren bestimmte Meldungen eben nicht, wie die oben angesprochenen Panama Papers. Überzeugt davon, dass das, auf unterschiedliche Nachrichten bezogen, allen so geht, frage ich mich also: Wieso?

Gibt es einfach zu viele Nachrichten auf der Welt, die wir wichtig finden sollten? Ist das eine Selektion unseres Kopfes/Geistes/Verstandes/wem auch immer, um nicht vollkommen überfordert zu sein von der Flut an Neuigkeiten und potenziellen Aufregern? Und die Selektion findet dann eben individuell statt? Also, während den einen Günther Jauchs vermeintliche Liebesaffären brennend interessieren und dafür die Flüchtlingskrise überhaupt nicht, sind es bei anderen ganz andere Themen? Je nachdem, wie wir ticken? So nehme ich das zumindest an, ja.

Natürlich finde ich es nicht gut, Steuern zu hinterziehen. Das betrifft sowohl die kleinen Menschen als auch die Big Player wie Herrn Hoeneß. Ebenso wenig gut finde ich es, seinen Partner zu betrügen. Vielleicht finde ich das sogar ein bisschen schlimmer. Und diese Gedanken führen mich wiederum zu folgender Frage: Hängt unsere individuelle Nachrichtenrelevanzeinordnung (ich liebe Monsterwörter) auch von unserem persönlichen Moralkodex ab? Interessieren uns also bestimmte Nachrichten nur deswegen, weil wir ihren Wert, je nach persönlicher Moralvorstellung, höher schätzen?

Ich zum Beispiel würde tausendmal lieber mehr über Afrika informiert werden. Die Kriege, die Konflikte, die Nöte, aber auch das moderne Afrika. Das kommt in den hiesigen Medien alles nur höchst unterrepräsentiert vor. Da fühle ich mich nicht nur uninformiert, sondern auch ungebildet, wenn ich die Information nicht in Eigenleistung betreibe. Dazu allerdings fehlt den meisten meistens die Zeit.

Steuerskandale dagegen stinken dagegen nicht an. Nicht dass ich die als Kavaliersdelikt bezeichnen möchte, aber letztlich ist es doch nur Geld. So ticke ich vermutlich: Ich erkenne die Bedeutung von Geld an, vor allem auch die von Gerechtigkeit, ich sehe auch den Kampf von Goliath und David, der letztlich hinter solchen Meldungen steckt, aber letztlich finde ich Menschenleben einen Ticken interessanter. Zumal in meinen Augen ähnliche Themen dahinterstecken, nur auf viel brutalere und bedeutendere Art und Weise, als dass dem europäischen Mann und der weißen Frau Geld weggenommen wurde.

Vielleicht steckt auch noch etwas dahinter: Nach fast dreißig Jahren auf diesem Planeten bin ich desillusioniert. Ich weiß um die Schlechtigkeit der Menschen. Sie überrascht mich nicht mehr. Und einen Überraschungseffekt sollen Nachrichten bekanntlich immer haben, damit sie relevant für uns sind. Deswegen wird beispielsweise kaum noch über Ebola und Syrien berichtet. Nix Neues. Immer noch täglich Tote. Und daher erscheint es mir als absolut natürlich, dass der reiche Goliath dem armen David immer mehr wegnimmt. Er kann es und ist schlecht. Diese Desillusionierung sollte mich traurig machen. Tut sie aber nicht. Da bin ich ganz in desillusionierter Lethargie: Ändert ja doch nix. Da kann ich auch Janosch lesen.

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