Das Reisen ist des Politikers Lust …

Warum ich politische Reisen heutzutage meistens für unsinnig, unökonomisch und unökologisch halte …

„Die Kutsche steht bereit, mein Herr.“, sprach sein Diener, und er strich noch einmal seinen Reiserock glatt und nickte seinem Spiegelbild ermutigend zu. Vor ihm lag eine anstrengende Fahrt und er wusste noch nicht, wie die Verhandlungen ausgehen würden. Bisher war er seinen Verhandlungspartnern noch nicht begegnet und sicher würde es hitzige Diskussionen wegen der territorialen Ansprüche geben. Er seufzte und machte sich auf den Weg.

So stelle ich mir politische Reisen in der Vergangenheit vor. Da kamen wichtige Staatsmänner – Staatsfrauen gab es ja so gut wie keine – zusammen, um an massiven Eichenholztischen zu diskutieren, wem jetzt welches Areal zur Verfügung stehen solle, welche Rechte wem zukämen und wessen Kinder miteinander verheiratet werden sollten. Dann wurde vermutlich diskutiert, gelacht, gefeiert. Bestimmt viel gegessen und getrunken. So war das. Früher. Bestimmt.

Und heute? Heute reisen Politiker genauso. Aus der Kutsche ist das Auto oder Flugzeug geworden. Aus dem massiven Eichenholztisch vermutlich irgendein schniekes Designerteil, aber letztlich ist doch alles beim Alten geblieben: Reisen, Reden, Ratschen.

Ist das noch zeitgemäß? Und noch angemessen? Zweifelsohne ergibt es Sinn, dass Politiker miteinander sprechen. Dinge miteinander verhandeln und ausdiskutieren. Aber muss das heutzutage noch persönlich geschehen?

Reisen sind ökologisch und ökonomisch immer riesige Faktoren. Bei politischen Reisen kommt zudem noch der der Sicherheit. Politiker können nicht in der zweiten Klasse der Bahn reisen, den Bus benutzen und mal eben einfach so irgendwo absteigen. Bei den ganz großen Staatsmännern ergeben aufwändige und teure Polizei-Einsätze Sinn. Was nochmal ökonomische und ökologische Konsequenzen hat.

Gerade wenn es nur mal eben um ein Shake Hands zur Einweihung der mitfinanzierten Brücke geht, halte ich das für fragwürdig. Ebenso aber, wie mal zu gucken, ob es in Katastrophengebieten wirklich so schlimm aussieht, wie die Fernsehbilder es vermitteln.

Ist unsere Welt nicht vernetzt genug und digitalisiert genug, damit es da mittlerweile andere Möglichkeiten gäbe? Sind wir da immer noch so technikängstlich, dass das nicht geht? Trotz ökonomischer und ökologischer Vorteile? Oder wären die anderen da tatsächlich verschnupft, wenn es zu keinem persönlichen Shake Hands kommt? Die Medien ob mangelnder Bilder empört? All das sind für mich aber nur alberne Pseudo-Faktoren.

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