Let’s talk about Pu, baby!

Warum Sprache nicht immer beschissen ist…

Scheiße. Pupu. Exkremente. AA. Fäkalien. Stuhl. Mist. Dung. Äppel. Kacke. Haufen. Kot. Schiss. Schiete.

Pipi machen. Strullern. Schiffen. Urinieren. Pieseln. Puschern.

Sex. Liebe machen. Ficken. Vögeln. Es treiben. Verkehr haben. Den Akt vollziehen. Rannehmen. Poppen. Durchnudeln. Raus-Rein-Spiel spielen.

Penis. Pimmel. Pullermann. Pillermann. Schwanz. Schwert. Glied. Frauenmacher. Latte. Lümmel. Dödel. Schniedel. Schaft. Phallus.

Vagina. Muschmusch. Muschi. Fotze. Untenrum. Scheide. Lustgrotte. Spalte. Möse. Vulva. Pussy.

 

Soll ich weitermachen? Ich könnte. Es ist doch interessant, oder? Dass wir ausgerechnet für die Worte, die wir am seltensten benutzen, die meisten Begriffe haben. Ausgerechnet für die Themenbereiche, in denen uns oftmals die Worte fehlen, die meisten Worte haben. Die Themen, die uns unangenehm sind, versuchen, angenehm oder gar lustig zu gestalten.

Ein interessanter sprachlicher Bereich, an dem man ganz deutlich erkennen kann, wie prüde wir sind oder in welchem gesellschaftlichen Kontext wir uns gerade bewegen. Schon mal mit dem Urologen über den „Schwanz“ geredet? Oder mit der Sexarbeiterin über das „erigierte Glied“?

Wenn uns die Worte fehlen, dann denken wir uns vielleicht viele aus, mit denen wir einigermaßen leben können. Wenn uns die Aussprache schon schwerfällt, dann verniedlichen wir, dann machen wir lustige Worte aus ernsthaften Dingen. Und warum auch nicht?

Warum nicht mal über den „Verkehr“ lachen können, statt immer alles bitterernst zu nehmen. Warum nicht in locker-flockiger Art über den „Dünnpfiff“ reden, als über den „zu liquiden Darminhalt“? Das Leben ist schwer genug.

Daran lässt sich aber auch gut eine gesellschaftliche Analyse ableiten: Über welche Bereiche wird überhaupt nicht gesprochen (wenig oder überhaupt keine Synonyme), über welche Bereiche wird gesprochen, aber es ist den Leuten unangenehm (viele, oft alberne Synonyme), über welche Bereiche wird ganz locker gesprochen (normal viele Synonyme)? Außerdem natürlich ein Wandel im Lauf der Zeit: Ich behaupte, dass es vor hundert Jahren noch lange nicht so viele Synonyme für die obengenannten Worte gab wie heute. Wir reden inzwischen darüber, aber noch immer nicht locker. Es hat sich noch nicht das eine, normale, umgangssprachliche Wort gefunden. Wir passen es noch immer nach sozialem Kontext an und testen aus.

Andere Worte verlieren sich dann im Lauf der Zeit eben wieder, wenn der Umgang mit ihnen normaler geworden ist. Wenn es vollkommen okay ist, darüber zu sprechen. Es bleibt fraglich, welche Worte immer ein gesellschaftliches Tabu widerspiegeln. Reden wir irgendwann noch offener über – psssst! – Liebe machen? Wird das dann etwas sein, was wir mit der Bäckersfrau besprechen? Oder wird Sex immer in den eigenen vier Schlafzimmerwänden und im Telefonhörer bleiben? Werde ich irgendwann über meine Verdauungsbeschwerden sprechen wie über das Wetter oder wird das immer verfänglich bleiben? Sprache kann spannend sein.

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