Reformation der Feiertage

Warum ich christliche Feiertage für problematisch halte …

Im Norden wird es am 31. Oktober einen Feiertag mehr geben. Einen Tag mehr ohne Arbeiten, Einkaufen, stattdessen Ausschlafen, Gemütlichkeit, vielleicht ein bisschen Haushalt. Denn es wurde beschlossen, in Schleswig-Holstein den Reformationstag als höchst offiziellen Feiertag wieder einzuführen. Finde ich nicht gut.

Ich habe nichts gegen Feiertage. Im Gegenteil. Nehmen wir beispielsweise den Tag der Arbeit oder der Deutschen Einheit. Das sind Tage, an denen ich es großartig finde, wenn alles mal brachliegt. Das freut mich für Arbeitnehmer, für Familien, für alle, die den Genuss eines freien Tages zu würdigen wissen.

Wenn wir uns im besten Fall sogar mal darauf besinnen, warum wir eigentlich gerade frei haben. Das machen sowieso die wenigsten. Ich finde es nur nicht gut, ausgerechnet einen kirchlichen Feiertag einzuführen. Dazu sollten mir Kirche und Staat einfach nicht nah genug sein.

Warum feiern wir nicht den Tag des Sonnenscheins, der Elternschaft, der Homosexualität, der Kinderrechte oder was weiß ich Lobenswertes in unserer Gesellschaft? Stattdessen erfreuen wir uns an Jesus‘ Geburt, Wiederauferstehung, Tod etc. Was ist denn mit Allah, Buddha, Hara Krishna oder sonst wem? Warum sind das keine offiziellen Feiertage? Das ist so überheblich christlich-narzisstisch und so inkonsequent, dass ich es einfach nicht richtig finde, Luthers Kirchenreform mit einem staatlichen Feiertag zu würdigen.

Bin ich also für die Abschaffung jeglicher Feiertage? Nein, auf keinen Fall. Ich finde nur kirchliche Feiertage per se nicht richtig. Ich finde, es gibt jede Menge Anlässe, aus denen es offizielle Feiertage geben darf. Tage, an denen Personen, Ereignisse oder „Einfach so“s gewürdigt werden, die beispielsweise historische Bedeutung haben oder die Werte unserer Gesellschaft honorieren.

Natürlich sind kirchliche Ereignisse wichtig. Natürlich hat Luther für einen unglaublichen Gesellschaftswandel gesorgt. Das haben aber Konrad Zuse oder Herr Gutenberg auch – wo sind deren Feiertage?

Welche Rechtfertigung gibt es dafür, christliche Ereignisse und Personen über die Verdienste anderer zu stellen? Welche Rechtfertigung gibt es in einem pluralistischen, freidenkenden Staat dafür, andere Religionen vollkommen zu ignorieren? Und wer entscheidet darüber, wer wichtig genug für einen Feiertag sein darf? Nur das erschließt sich mir nicht an der Wiedereinführung eines solchen Feiertags.

In diesem Sinne: Frohes Schaffen!

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