Wann ist ein Mann ein Mann?

mann
Warum die heutige Zeit es weder Männern noch Frauen noch allen dazwischen leicht macht…

Genderfizierung ist bekanntermaßen eins meiner Lieblingsthemen. Heute schlage ich mich mal auf die Pro-Seite. Pro Geschlechterrollen. Warum? Weil die moderne Zeit es uns durchaus nicht leicht macht, unsere Rolle in der Gesellschaft zu finden. Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? Das ist ja nicht nur ein Buchtitel. Da steckt ja was hinter.

Lasst mich voranstellen, dass ich diesen Artikel auf Männer bezogen schreibe, das gleichermaßen aber für die weibliche Seite möglich wäre. Nur kann ich – Hetero-Standard, der ich nun mal bin – einfach besser reflektieren, worum es mir geht, wenn ich es fürs Gegengeschlecht schreibe. Das nur so als Vorbemerkung.
Also: Wann ist ein Mann? Das fragt sich schon Herbert. Und nicht nur der: Vom Feuilleton zur BILD-Zeitung, vom philosophischen Aufsatz zur kleinen Randkolumne, es umtreibt uns. Da muss mensch nur mal Tante Google fragen.
Früher war der Mann der Arbeiter, der Ernährer, der Bestimmer, der Kinderzeuger und –züchtiger, der Haushaltsvorstand, meinetwegen der Macho. Er entschied. Punkt. Auch über seine Frau und Kinder. Dafür musste er eben hart schuften. Frauen? Eher zum Mithelfen und Unterordnen gedacht. Eher für den Haushalt. Achso, Kinder wurden eben einfach mal nebenbei produziert. Gezeugt vom männlichen Mann natürlich. Mission erfolgreich. Kann man als Doppelbelastung sehen, ist aber eine andere Diskussionsbaustelle. Heute? Schwieriger.
Ein Mann darf im Restaurant nicht bezahlen und keine Türen aufhalten. Aber bitte, Gentleman soll er schon sein, kein Macho. Ein Mann soll gepflegt aussehen und einen guten Kleidungsgeschmack haben. Aber bitte, im Bad nicht länger brauchen als Frau und keine rosa Hemden tragen. Brustbehaarung ja, aber bitte, bitte nicht zu viel. Oder Vollbart, dann aber natürlich bitte gepflegt. Ein Mann soll einen guten Job haben und am besten noch Geld. Aber bitte, nicht mehr als ich und raushängen lassen schon gar nicht. Ein Mann soll Muskeln haben und zum Anlehnen sein, sensibel auf Probleme eingehen, mir stets zuhören, Zeit für seine Partnerin haben. Aber bitte, nicht so ein Softie, der wegen jeder Krankheit heult. Und bitte auch keiner, der ständig ins Fitti rennt. Kinder soll er nicht nur in einem leidenschaftlichen, einfühlsamen Akt zeugen, er soll sich auch neben seiner 40-Stunden-Woche bitte 1A um den Nachwuchs kümmern.
Ja, was denn nun? Mann hat’s nicht leicht. Wo sind die Grenzen? Wie bin ich? Wann bin ich männlich? Wann bin ich attraktiv? Letztlich ist Mann, wie Mann ist. An seinem Charakter lässt sich ja nichts ändern. Aber Attraktivität fürs Gegenüber ist ja doch etwas, was erstrebenswert ist. Oder zumindest die meisten anstreben. Die Brust also rasieren oder den Wald lieber stehenlassen? Was will die Frau, was will die Gesellschaft?
Ein eigentlich schlimmer Gedanke, der zeigt: Feste Rollenbilder haben schon Vorteile. Und wenngleich Mädchen-Überraschungseier in Pink für mich noch immer nicht gehen, sehe ich auch die Schwierigkeiten, die aus vollkommener Freiheit resultieren. Nämlich große Verunsicherung, die im schlechtesten Fall nicht nur dazu führt, dass der geforderte Waschbrettbauch per Silikon geschaffen wurde, sondern auch zu psychischen Problemen.
Damit möchte ich nicht dafür plädieren, dass wir in alte Rollenklischees verfallen. Aber diese genauso akzeptieren, wie jedes rosa Hemd und jede neue Rolle. Individualisierung. Inklusive gesellschaftlicher Akzeptanz. Nicht nur Toleranz. Und wenn Mann oder Frau nicht den Ansprüchen von irgendjemandem entspricht, dann muss das egal sein dürfen. Und nicht gesellschaftlich verurteilt. Also: Same Fazit as all the time – lasst uns das Bunte akzeptieren, feiern, annehmen. Mit Liebe füreinander. Peace.

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