Fasten your shopping, please!

Warum Online-Shopping-Fasten Konsequenzen für mich hat…

Über Sinn und Unsinn religiösen Fastens kann man sicher diskutieren (besonders wenn es um den Verzicht von Wasser im Hochsommer geht). Letztlich tut man aber keinem weh damit, daher sollte wohl jeder selbst entscheiden, ob das was ist oder nicht. Ich habe mich dieses Jahr zum ersten Mal dafür entschieden. Ich habe 40 Tage Onlineshopping-gefastet.

Die Gründe

Nein, ich bin nicht verarmt. Und, nein, ich bin auch nicht kaufsüchtig. Ich habe lediglich gemerkt, dass meine ganzen letzten Onlinekäufe weitgehend blödsinnig waren. Da habe ich an mir selbst sehr gut den Überfluss gespürt, in dem sich große Teile unserer Gesellschaft suhlen. Wie eine dicke, fette, hässliche Warze, die immer schon da war, die man aber gar nicht mehr wahrnimmt.
Wenn wir etwas haben wollen, kaufen wir es uns. Und wir wollen oft etwas haben. Freiwilligen, bewussten Verzicht kennen wir quasi nicht mehr. Natürlich kaufen wir nicht alles, was wir sehen. Und natürlich gibt es finanzielle Einschränkungen, aber dass wir uns wirklich bewusst gegen Herzenskäufe entscheiden, kommt eben doch nicht oft vor. Man gönnt sich ja sonst nichts. Tut man aber eben doch. Eigentlich „gönnen“ wir uns ständig irgendwas. Zumindest wenn wir unsere Lebensstandards mit denen anderer vergleichen. Und „irgendwas“ ist irgendwie oft irgendein Mist. Für mich hieß das: keine unsinnigen Einkäufe mehr. 40 Tage lang. Dass das mit der christlichen Fastenzeit zusammengefallen ist, war im Endeffekt reiner Zufall, passte aber ganz gut, weil man ja doch hin und wieder mal Inspiration erhält und es einen klaren Anfangs- und Endpunkt gab.

Der Anfang

Die Entscheidung war recht spontan gefallen. Entsprechend gab es keine großartige Vorbereitung, keine Vorbestellungen oder ähnliches. Ich hab einfach gestartet. Und ich hätte beileibe nicht erwartet, dass es mir so schwer fällt. Ich meine: Es ging nur darum, mir eben keine Ohrringe, Armstulpen, Wanduhren, wasweißich zu bestellen. Es ging nicht um Essen, nicht um Notwendiges. Nicht um folgende Verwahrlosung. Um kein Leben im Zelt. Nicht darum, Käfer zu essen. Es ging nur um Bullshit-Verzicht. Das war definitiv erschreckend.

Die Verführung

Natürlich gab es sie, diese Momente, in denen ich dachte: „Ach, was soll‘s.“ Es hätte ja niemand gemerkt. Vor allem für mich keinen Gott, der mir am Ende meines Lebens auf die Finger geklopft und gesagt hätte: „Tststs – weißt du noch, 2016? Da hattest du mir Fasten versprochen und dir am Ende doch die niedlichen Schweinchenohrringe gekauft. Die Himmelspforte bleibt verschlossen!“ Zack. Blitz. Bumm. Hölle. Stattdessen gab es keinen Grund, keine Rechtfertigung für mein Fasten. Und entsprechend keine „Motivation“. Außer meiner eigenen Disziplin und dem Bewusstsein, dass es eben doch einen Grund gab, dass es Sinn ergab, was ich da tat.
Aber dann: Newsletter, täglich, Spitzenangebote, Superrabatte, die nur bis XY gelten, Gutscheine, Super-Sales…  Aber: Ich habe es geschafft, habe es durchgehalten. Wie? Indem ich diese Mails einfach irgendwann ganz bewusst ignoriert hab. Rabatt? Haha. Mir doch egal. Löschen.

Das Ende

Heute sind die 40 Tage vorbei. Tatsächlich habe ich trotz all der Verlockungen nicht einmal Schwachsinn bestellt. Ich habe auf diesen Tag hingefiebert. Endlich Fastenbrechen. Und nun? Gar kein Bedürfnis, etwas zu ändern. Was sagt mir das? Ich habe tatsächlich zu viel konsumiert. Verhaltensänderungen und der Verzicht haben scheinbar bei mir zu einem unterbewussten Umdenken geführt. Ich denke nun viel eher darüber nach, was ich wirklich brauche. Und was eben genau nicht. Ich war fest davon ausgegangen, heute online zu shoppen. Nahezu exzessiv. Tue ich aber nicht. Denn eigentlich brauche ich gerade wirklich nichts. Und wenn Fasten das ist, was mit uns passiert – mehr über uns und unsere Bedürfnisse nachzudenken – dann finde ich das eine schöne Sache. Religiös oder nicht.

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