Spitz, du Lump!

Warum ich Spitznamen allermeistens fürchterlich finde …

Schatzi, Spatz, Liebling, Herzchen, Pupsi, Hasi, Baby, Chica, Perle, … Es ist ja nicht so, als ob wir unkreativ seien, wenn es um Spitznamen geht. Da werde dann aus Ulrich und Ulrike auch der oder die Uli, aus Beate wird Bea, aus Claudia Claudiiii, aus dem edlen Maximilian der oberbairische Maxl. Ja, haben wir denn unsere Namen vergessen?

Es ist nicht so, dass ich generell was gegen Spitznamen habe. In einer Partnerschaft finde ich Insider-Spitznamen beispielsweise sehr schön. Solche, die dann bitte auch privat bleiben und nicht auf einer Party durch drei Räume gebrüllt werden, um den anderen wiederzufinden. Das ist einer der Fälle, aus denen ich Spitznamen vertretbar finde.

Fall 2 ist ein selbstausgesuchter. Heißt: Ich habe mich aktiv für einen bestimmten Spitznamen entschieden, den ich mitgeteilt habe. Sei das, weil ich meinen eigenen Namen nicht mag, er politisch schwierig ist, ich mich von irgendwem oder irgendwas abgrenzen möchte. Jedenfalls habe ich das entschieden. Punkt.

Der letzte Fall sind Eltern. Wenn mir meine Eltern von Anfang an beibringen, mich Mama und Papa zu nennen – oder Mutti, Vati, Vater, Mutter, Frau Mutter oder Herr Vater, Mutschi, Papschi,… – dann haben sie das auch so entschieden. Möchten sie das irgendwann anders haben und aus Papi plötzlich Dieter werden soll, dann muss ich das aber ebenfalls akzeptieren, wenn es vielleicht auch ein Weilchen dauert, bis ich mich dran gewöhnt habe und es konsequent durchsetze. So ist das eben mit den Gewohnheiten.

In allen anderen Fällen finde ich Spitznamen furchtbar und respektlos. Punkt.

Wenn es jemandem zu viel Mühe kostet, mich bei meinem vollen Namen zu nennen, denke ich entweder, dass er denselben vergessen hat oder dass ich ihm das nicht wert bin. Natürlich hat es eine gewisse Strenge, die volle Silbenanzahl zu benutzen. Aber es hat auch einfach was mit Respekt zu tun.

Meine Eltern haben mir meinen Namen nicht umsonst gegeben. Hätten sie ihn kürzer haben wollen, dann hätten sie einen anderen gewählt. Finde ich ihn doof, habe ich die Möglichkeit, mir einen eigenen, kürzeren auszusuchen. Wenn ich das aber bewusst nicht tue, dann bin ich bittesehr bei meinem vollen, anstrengend langen Namen zu nennen.

Ganz peinlich sind dann die Spitznamen, die auf Kindheits- oder Jugend-Anekdoten basieren. Meistens vergangene Sünden oder Blamagen. Warum ich daran noch zwanzig Jahre später (oder auch fünfzig) noch erinnert werden möchte, hat sich mir nie richtig erschlossen. Es kommt hinzu, dass der Spitzname und meist sogar die Geschichte dahinter für all diejenigen, die nicht dabei waren, auch einfach nicht (mehr) witzig ist. Ich finde, es gehört zum Erwachsenwerden dazu, seinen Spitznamen irgendwann auch mal abzulegen, wenn man das möchte.

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