Sporty Qual

Wie für mich guter Sportunterricht aussieht …

Ich war nie gut in Sport. Kann ich sogar durch mein Zeugnis belegen, da kannten meine Lehrer kein Erbarmen. Zudem gehöre ich einer verpönten Minderheit an, vermute ich. Weil ich nämlich nicht mal die Pseudo-Rechtfertigung hatte, übergewichtig zu sein. Oder irgendwie behindert. Ich armes Ding. Und noch schlimmer: Ich habe Sportunterricht gehasst. Mittlerweile glaube ich allerdings, das lag gar nicht an mir, sondern am System. Bedäääm.

Sportunterricht war bei uns ziemlich klischeehaft. Meist Mannschaftssport, meist diejenigen Sportarten, die unser Lehrer selbst gut fand, Theorie gab es so gut wie keine: in die Halle, aufbauen, Mannschaften auswählen (ja, das furchtbare Klischee des Nicht-ausgewählt-Werdens nahm ich auch gerne immer wieder mit), los ging’s, lossportlern, sich anbrüllen, „Spaß“ haben, gewinnen, verlieren, erfolgreich sein, auf dem Bock sitzen bleiben, abbauen, umziehen, zurück in die Schule. Oder bei männlichen Lehrern gleich seine Tage haben.

Es ist gar nicht so, dass ich keinen Spaß an Bewegung habe. Den hab ich allerdings erst nach meiner Schulzeit entdeckt. Gefördert wurde ich darin nämlich nie. Im Gegenteil. Ich hätte mir gewünscht, interessante Sportarten kennen zu lernen. Ich hätte mir gewünscht, Spaß an Mannschaftssport zu entwickeln. Bestärkt zu werden im Team. Aber wie sollte das mit dem verbundenen Leistungsdruck funktionieren?

Stattdessen wurde jeglicher Bewegungstrieb, jegliche Freude an Sport zunichte gemacht. Durch pure Langeweile, Frust und das Gewinnstreben von Mitschülern, Lehrern und dann letztlich auch von mir. Dass Menschen im ein oder anderen besser oder schlechter sind und sein dürfen, das wurde nicht nur ignoriert, sondern auch verurteilt und kritisiert.

Weil das bisher aber unproduktive Kritik (okay, Meckerei) ist, versuche ich es mal so: Wie sieht denn für mich der ideale Sportunterricht aus?

  1. Nicht gefühlt 300 Sportarten pro Schuljahr. Warum nicht ein Halbjahr nehmen und eine bestimmte Anzahl von Sportarten mal so richtig lernen? Von der Pieke auf, inklusive Regeln, Theorie und learning by sporting. Und bitte nicht nur die herkömmlichen Sportarten, die der Sportlehrer kennt und mag. Warum nicht mal Randsportarten wie Hockey, Baseball, Orientierungslauf, Boule, Wandern, etc. Alles andere ist ausstattungsmäßig schwierig, schon klar.
  2. Jeder muss mal alles machen. Es kann nicht sein, dass über Abstimmung entschieden wird, dass ständig Volleyball gespielt wird. Nein, es wird auch mal getanzt. Geturnt. Rhythmische Sportgymnastik gemacht.
  3. Keine Sportnoten mehr. Ich bin dafür, dass die Sportnote in die Kopfnoten eingeht. Ist nicht das Sozialverhalten in diesem Unterricht wesentlich wichtiger als die Leistung, die sowieso schon durch irgendwelche Urkunden, Zeiten etc. festgehalten wird?

Folglich bin ich auch für ein Kurssystem. Jedes Halbjahr wählen sich die Schüler in die Kurse oder werden zugeteilt, sodass jeder wirklich gezwungen ist, mal alles zu machen. Das kann auch jahrgangsübergreifend stattfinden, zumindest in kräftevertretbarem Maß.

Dann nämlich wird Sportunterricht nicht mehr zum unangenehmen Leistungsdruck, sondern fördert den Spaß an Bewegung (die gut, gesund und wichtig ist), macht neugierig auf Neues und stärkt Teamgeist und ein positives Gemeinschaftsgefühl.

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