Kater Kontra ermittelt


Warum Haustierromane der Untergang intelligenter Unterhaltung sind…

Mein absolutes Lieblingsbuch, das übrigens auch als Film fantastisch ist, ist aus Sicht eines Katers geschrieben. Francis deckt in „Felidae“ mysteriöse Mordfälle an anderen Katzen in seinem Umfeld auf. Inzwischen ist es eine ganze Reihe, aber der erste ist – wie meistens – der beste. Warum also nicht mal andere Bücher mit Katzen und Hunden als Protagonisten lesen? Hab ich getan und kann nun festhalten: Weil die meisten wirklich unfassbar schlecht sind und lediglich dem Haustierkommerz gelten. Und das obwohl es doch eigentlich mehr als genug Bücher auf der Welt gibt…

Ich las letztens einen Liebesroman aus der Sicht eines Pudels. Ich nenne hier mal bewusst keine Namen, der Schreiberling hat es sicher gut gemeint. Aus den Augen unseres vierbeinigen treuen Gefährten verfolgen wir Auf und Ab eines Zusammenziehens, während sich Pudel selbst verliebt, seine Freundschaft mit einer Katze etabliert und so weiter und so fort. Total langweilig. Warum ist dieser Roman aus seiner Sicht geschrieben? Hat sich mir nicht erschlossen.
Wo aber ist der Unterschied zwischen dem verliebten Pudel und Francis, meinem Helden? Ganz einfach: In „Felidae“ eröffnet das Tierauge eine wirklich NEUE Perspektive, es geht um Katzenmorde, es geht nur sehr am Rande um seinen Dosenöffner und die Menschen selbst, es gibt eine philosophische und nachdenklich stimmende Wendung am Ende, aber kann nie mehr, als Katzen eben können. Lediglich das Bedienen eines Computers überschreitet die Grenze, aber das trau ich Katzen ja durchaus zu.
Auf diese Weise nimmt er eine realistisch-kätzische Perspektive ein, während mein exemplarischer Hund voll am humanen Leben teilnimmt, quasi selbst humanisiert wird. Er versteht die menschliche Sprache, ihre Probleme, er löst sie sogar, er nimmt aktiv an ihrem Leben teil, statt seine eigene Geschichte zu schaffen. Statt mir als Leser den Haustiermehrwert zu bieten, den ich von einem solchen Roman erwarte, auf dem nun mal ein Tier abgebildet ist. Genauso gut aber könnte er ein Freund, ein Verwandter, ein Saugroboter sein.
Warum also Haustiere als Protagonisten, wenn dies der Fall ist? Ich habe immer öfter den Eindruck, dass sich Haustiere schlichtweg gut verkaufen. Herrchen und Frauchen sind einfach zu verliebt, um nicht den x-ten Snack mitzunehmen, das kuscheligste Bettchen, das elektronische Spielzeug – und eben auch den Roman, auf dem hutziputzi, wie süß, ein Hundi abgebildet ist. Koste es, was es wolle. Oder aber ich nehme ein solches Buch eben jemandem mit, von dem ich weiß, dass er ein Tierliebhaber ist. Geschenkfindung (-sverzweiflung) abgehakt. Das ist der Buchindustrie bewusst, also wird produziert, Qualität spielt dann eben nur noch eine untergeordnete Rolle. Warum auch nicht? Auch Verlage brauchen schließlich Geld. Da kann schon mal der ein oder andere qualitative Verrecker dabei sein. Bei Haustierromanen scheint das jedenfalls öfter der Fall zu sein.

Liken und teilen:

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.