Misst Er Right? Träumt die Frau?

Warum die Suche nach dem Traumpartner Bullshit ist …

90-60-90 sollten es schon sein. Na gut, plus minus 10%, wir wollen ja nicht so sein. Außerdem gut gepflegte, lange blonde Haare, ein 1A-Lächeln. Brüste natürlich echt. Geschminkt? Ja, aber nicht zu lang dafür brauchen. Lange Beine. Gebräunte Haut. Und dann noch das Unwichtige, der Charakter… Wir haben genaue Vorstellungen davon, wie Mr und Mrs Right auszusehen und zu sein haben. Und entwickeln dabei unerfüllbare Schnapsideen, die uns am Ende nicht nur einsam, sondern auch unzufrieden machen.

Erstmal ein pessimistisch-realistischer Gedanke vorweg: Sorry, aber ich glaube, den perfekten Partner gibt es nicht. Beziehungsweise gegebenenfalls als seelenlose Backmischung, das war es dann aber auch. Mit der können wir dann zwar American Pie spielen, aber nicht die Beziehung führen, die wir uns wünschen.

Ich möchte auch nicht sagen, dass wir uns mit “weniger” zufriedengeben sollen. Ich glaube schon daran, dass jeder Vorstellungen davon hat, wie sein Traumpartner sein sollte. Wahrscheinlich gibt es auch beim Aussehen Dinge, die gar nicht gehen oder die wir zumindest mehr oder weniger mögen. Wir sprechen hier ja durchaus auch von körperlicher Anziehung.

Aber ich glaube, dass wir so voll von Optionen sind, von dem Gedanken beseelt, es KÖNNTE da draußen noch etwas Besseres geben, dass wir unseren Traumpartner entweder gar nicht erst finden oder aber viel zu schnell ziehen lassen.

Das Problem ist: Warum legen wir uns eigentlich so fest? Warum ist die Haarfarbe auf Online-Plattformen eine Filter-Möglichkeit, wenn ich dadurch vielleicht meinen braunhaarigen Seelenverwandten verpasse? Weil es einfach zu viel Angebot gibt, nehme ich an. Der Partner gehört so sehr zum konventionellen Lebensstil, dass Verzicht nicht möglich ist, also suchen wir und suchen. Statt mit offenen Augen durch die Gegend zu gehen und uns früher oder später finden zu lassen. Darauf zu vertrauen, dass er oder sie schon irgendwann kommen wird. Kein Stress, Mann.

Und wenn wir dann jemanden gefunden haben, mit dem wir uns nicht nur vorstellen können, unser Leben zu verbringen, sondern der andere kann das auch – Jackpot! –, dann neigen wir dazu, das Haar in der Suppe zu suchen. Eigentlich ist er ja, aber … Es wäre schon schön, wenn sie … Wäre es nicht besser, wenn … Und die Schlimmsten aller Fragen: Könnte es noch etwas Besseres geben? Verpasse ich etwas, wenn ich bleibe?

Das sind alles legitime Überlegungen, versteht mich nicht falsch. Aber ich muss bei deren Beantwortung auch bitte fair bleiben und meine eigenen Ansprüche überprüfen. Dazu gehört zum einen die sachliche Abwägung: Hat er/sie wirklich so viele „Fehler“, mit denen ich wirklich nicht leben kann? Und wie sieht das eigentlich andersrum aus? Aber das Allerwichtigste (und Schwerste) ist immer die Frage nach der Liebe. Liebe ich denjenigen an meiner Seite (noch)? Liebe ich ihn oder sie trotz oder wegen ihrer vermeintlichen Fehler und Schwächen? Ist es mir möglich, darüber zu lachen, dass er mit seinen benutzten Socken den Weg zum Bad vollpflastert und sie ihre Mascara am Spiegel kleben lässt? Mache ich die kleinen alltäglichen Nervereien zu einem Maßstab unserer Liebe? Ist das fair unserer Beziehung gegenüber?

Es wird immer Menschen geben, die in irgendwas besser sind oder besser erscheinen als der Typ und die Tussi an unserer Seite oder beim Blind Date. Aber den perfekten Menschen gibt es nicht. Wir sind es schließlich auch selbst (lange) nicht. Wenn das Gefühl stimmt sowie die Basis der Lebensvorstellungen, dann ist das das Maß an Perfektion, das eine Beziehung einnehmen kann. Warum können wir das nicht annehmen? Lieben und lieben lassen.

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