United States of Absurdica – Teil 7 – Einen an der Waffe

“21 Guns” (Green Day)

Die spinnen, die Amis. So hätte es Obelix formuliert, wenn er gesehen hätte, was die Amerikaner und ihre Liebe zu Waffen angeht. Dass die da anders ticken als die meisten von uns, das war wieder etwas, was mir im Grundsatz nicht neu war, was mich in seinem Ausmaß und seiner Präsenz dann aber doch mal wieder aus den Socken hat kippen lassen. Fast zumindest.

Ich glaube, am Erschreckendsten fand ich die Selbstverständlichkeit, die mir in diesem Zusammenhang begegnet ist. Ich habe zwar niemanden offenkundig mit einer Waffe hantieren sehen, aber auf meiner Reise quer durch das Land sind mir unzählige Gunshops begegnet, in die ich einfach mal hätte rein spazieren können, wenn es mich denn angeturnt hätte (was – Pazifist in mir – so gar nicht der Fall ist). Mitten in Innenstädten, mitten in Kleinstädten, zwischen Imbiss und Souvenirshop. Auch die Theken in irgendwelchen Märkten oder sogar kleine Waffenverkaufsecken auf Flohmärkten … nun ja, das ist eben schon ein Symptom einer Mentalität, die ich hier nicht kenne.

Merkwürdig war beispielsweise auch ein Truckstop, an dem es T-Shirts mit „witzigen Sprüchen“ zu kaufen gab. So in der „Dort Mund“-Manier, wie wir sie auch hierzulande kennen. Nur waren das alles Shirts, auf denen die Einstellung zu Waffen nicht nur gelobt, sondern auch als superheroisch und überheblich dargestellt wurde. Inklusive Einwandsvorwegnahme: „You keep your advice – we keep our guns.“ (Behaltet ihr euren Rat (für euch) – wir behalten unsere Waffen!”) oder „Ban Idiots, Not Weapons!“ (Verbannt die Idioten, aber keine Waffen.“). Das ist so blind und offenkundig inhaltlich fragwürdig, dass es mir echt Bauchschmerzen verursacht hat.

Zusätzlich gab es dann insbesondere an Kirchen, Einkaufszentren oder politischen Einrichtungen immer wieder die dezenten Hinweisschilder, doch bitte keine Waffen mit ins Innere zu nehmen, was ich auch ganz schön krass fand. Immer aber auch die gewisse, damit verbundene Unterwürfigkeit der jeweiligen Institution: In diesem speziellen Bereich sei es eben ausnahmsweise nicht gestattet, das kleine Waffilein mit sich zu tragen. Waffen müssen draußen warten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es da immer wieder zu Diskussionen kommt. Mit Verständnis haben es die Amerikaner bekanntermaßen nicht so, wenn es um das schießende Heiligtum geht.

Am ernsten und erschreckendsten wurde es dann in den Medien: bei der Berichterstattung des Las Vegas-Shootings, bei dem ich noch in den Staaten war. Sofort schaltete sich die Waffen-Lobby ein und betonte, dass das natürlich definitiv nicht ihre Schuld sei und an den Waffengesetzen mal exakt gar nichts verändert werden müsse. Logisch und gemäß: Verbannt die Idioten, nicht die Waffen.

Dass die USA zwar die Todesopfer-Statistik durch Handfeuerwaffen mit perversem Abstand anführen, das liegt auch ganz sicher nicht an den Gesetzen und dem lockeren (sorglosen? unbedachten?) Umgang mit tödlichen Instrumenten.

Ob es einen Zusammenhang zwischen Waffengeilheit und Idiotie gibt, das kann ich leider wissenschaftlich nicht festlegen, behaupte aber mal, dass es in den USA zumindest oft ein Zusammenspiel von dieser Geilheit und mangelndem Verantwortungsbewusstsein gibt.

Vielleicht ist sogar Verantwortungsbewusstsein hier falsch. Vielleicht trifft vielmehr zu, dass die Seriosität nicht erkannt wird. Dass die Waffe als Spielzeug angesehen wird, mit dem man eben mal witzig auf Dosen schießen kann – und den Nachbarn, wenn er meinem Eigentum zu nahkommt. Denn der Amerikaner, der passt auf sich und seinen American Dream auf. Hau mir auf die Brust, Selbstjustiz. Dass die gleichzeitige Verwendung von Alkohol und Waffen unproblematisch ist, weil witzig. Ein Spielzeug-Motorboot kann ich bierbetüddelt ja auch noch bedienen – und welchen Unterschied gibt es schon zwischen solchen Spielzeugen?

Man(n) braucht sie ja auch zum Selbstschutz, die Waffen, das kann man(n) ja heutzutage nicht mehr anders. Auge um Auge hat schließlich schon immer alle Probleme gelöst. Und die Bösen haben ja auch Waffen. Und überhaupt: Die haben angefangen!

 

P.S.: Der letzte Absatz ist selbstverständlich hochgradig sarkastisch gemeint.

 

weiterlesen: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/las-vegas-waffen-kultur-in-den-usa-in-grafiken-a-1171186.html

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