United States of Absurdica – Teil 1 – Wasted Land

“I’m a Plastic Girl in a Plastic World”

Klischee ahoi: Mülltrennung und die Amerikaner, das verträgt sich nicht so gut. Das durfte ich während meines Aufenthalts in den Staaten auch erleben (Klischee bestätigt, q.e.d.). Aber nicht nur das: Mülltrennung, das ist ja schon Umweltschutz für Fortgeschrittene. Den Amerikanern (Achtung, Generalisierung!) geht bezüglich Müll aber auch jegliches Verständnis für die eigene Produktion ab.

Dazu ein paar Anekdoten: Ich habe viel Zeit in Hotels verbracht. Die sind bekanntermaßen nicht darauf ausgelegt, besonders umweltfreundlich zu sein. Das ist hierzulande nicht zwangsläufig besser. Einzeln abgepackte Seifenpackungen, täglich gewechselte Handtücher? Da sehe ich als trauriger Standard jetzt mal großzügig drüber hinweg. Was ich aus Deutschland allerdings noch nicht kannte, das sind in Plastiktüten verpackte Einwegbecher. Lasst euch das auf der Zunge zergehen. Hygienischer und gleichzeitig umweltverschmutzender (ignoranter?) geht es kaum. Dass die dann natürlich auch ohne Benutzung täglich gewechselt wurden – ja, ich habe es irgendwann mal nachgeprüft – muss ich nicht erwähnen, oder? By the way gehörten die natürlich oftmals zu den Kaffeemaschinen mit Cup-System. Und einzeln foliert konnte gast sich dann natürlich noch Einweg-Serviette, Plastik-Stirrer zwecks Umrühren und grammweise abgepackten Zucker nehmen.

Beim Frühstück gab es dann ebenfalls keine Tassen. Auch hier begegneten uns die einzeln abgepackten Becher. Damit sich der Amerikaner und der blöde Tourist nicht die Fingerchen verbrühten, selbstverständlich mit pappener, separater Umverpackung. Achso, und für denjenigen, der es eilig hat, selbstverständlich mit Plastik-Lid zum Mitnehmen. Auch hier selbstverständlich einzeln verpackte Zuckertütchen vorhanden. Über den Tee rede ich jetzt mal nicht, den gibt es bei uns ja auch oftmals nur einzeln verpackt.

Mit Plastikflaschen ging es dann weiter. Bei uns selbstverständlich auch bekannt und beliebt, haben wir zumindest ein bis auf Hartz IV-Gehalt perfekt funktionierendes Pfandsystem entwickelt. Der Amerikaner in der Theorie auch. Nur dass mich ein Verkäufer anschaute, als habe ich ihm gerade was Unanständiges erzählt, als ich ihn nach Rückgabemöglichkeiten fragte. Erst dieser Blick, dann Unsicherheit, dann Zögern, dann die Antwort: Ja, draußen auf dem Parkplatz stehe ein Mülleimer. Achso. Ja. Wo das Geld rauskommt (denn offiziell gibt es Pfand-Rückgeld auch in den USA), das habe ich mich dann doch nicht zu fragen getraut.

Dann weiter im Restaurant-Kontext. Ich bestelle mir einen heißen Wrap. So wie Döner, nur mexikanisch. Damit sich der blöde Amerikaner und Tourist nicht die Fingerchen dreckig machen, bekomme ich nicht nur einen Stapel Servietten dazu und einen einzeln verpackten Wrap in zusätzlicher Tüte (das war die In-House-Bestellung, nicht die To-Go!), sondern auch separat verpacktes Besteck. Ratet! Ja, Plastik! Ich betone nochmal: In-House-Bestellung. Ich war geschockt und fasziniert.

Ich bin noch unsicher, was da eigentlich genau hintersteckt: Geht dieser Nation und ihren Einwohnern wirklich jegliches Verständnis ab, handelt es sich doch um böswilliges, mutwilliges Handeln gegen den nicht vorhandenen Klima-Wandel, ist es Desinteresse oder aber eine Art verkorkster Hygiene-Wahn? Ich bin nicht sicher. Aber die Selbstverständlichkeit dieser Nicht-Einzelfälle, die fand ich eben doch irgendwie erschreckend.

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