Eggy Way Of Life

Das nächste Klischee: Die Amerikaner machen es sich gerne einfach. Check. Kann ich bestätigen. Aber ohne es zu verurteilen. Höchstens in dem Maße, dass es uns Europäern doch irgendwie merkwürdig erscheint, gekochte, schalenlose, vakuumierte Hühnereier im Supermarkt zu entdecken.

Gleichsam ist das ein perfekt funktionierendes System: Warum sich die Mühe machen, zehn zerbrechliche Eier in einer fragilen Papppackung nach Hause zu transportieren, am besten noch auf dem Fahrrad? Das kann andersrum ebenso absurd wirken. An die Folgen sei dabei erstmal nicht gedacht: Denn natürlich sind solche Eier nicht so lange haltbar und haben jede Menge Verpackungsmüll um sich herum. Aber DER Amerikaner hat für einen 1A-Protein-Snack für den job to go beziehungsweise für zwischendurch im Auto gesorgt. Total healthy, Umwelt hin oder her. Rührei gab es übrigens in Tetrapaks, inklusive kalorienreduzierter Variante ohne Eigelb.

Ebenfalls erstmals gesehen habe ich Getränkekühlschränke, bei denen es direkt die passenden „Beilagen“ zum Alkohol gab: Vorm Tequila lagerten Salz-Mini-Packungen Salz, Zitronen und Limetten, in Las Vegas gab es Shots mit kleinen Plastikbechern dazu. Nicht so lächerliche Kümmerling-Glas-Fläschchen, wie wir sie an der Kasse finden: Teilweise gab es sogar kleine Cocktails in mischbaren Plastikbechern. Strohhalm selbstverständlich inklusive.

Bewerben muss man sich übrigens auch nicht mehr kompliziert via Mail (die schriftliche Bewerbung ist ja ohnehin längst tot). Nein, stattdessen finden wir bei den jeweiligen Arbeitgebern sogenannte „Employee Desks“, an denen man sich – schwupps – direkt bewerben kann. Sie sehen aus wie kleinere Geldautomaten und fragen ganz schnell die wichtigsten Daten ab. Kongenial gelöst für alle Beteiligten. Gut, wenig liebevoll, aber wozu Liebe im Arbeitsleben?

Sehr gut gefallen hat mir auch das Angebot eines Protest Kits: In einer Box alles zusammengefasst, was der Amerikaner für einen Protest jeglicher Art benötigen könnte. Inklusive Nagelfeile. Das waren aber nur die kleinen Absurditäten.

In jedem Nationalpark wurden jegliche Artikel angeboten, die der Urlauber hier noch gebrauchen könnte. Selbstverständlich immer mit dabei: „Trail Mixes“ und koschere Gewürzgurken. Warum? Weiß ich nicht. In den kleinen bis gigantischen Nuss-und-Schokodrops-Tütchen waren verschiedene Mischungen zum Knabbern, die unsere tapferen Nationalparkbegeher wohl stabil halten sollten, denn: Laufen ist ja generell so ein Problem in den USA. Da darf man nicht aus der Trail fallen. Außerdem kann man natürlich mit Nüsschen und Schokolinsen auch herrlich das Tiervolk füttern. Auch hier wieder: absolut unökologische Genialität.

Die ganze To Go (Warum heißt es in Amerika eigentlich „To Go“ und nicht „To Drive?“), Lieferökonomie und der Drive Thru-Wahnsinn gehören natürlich auch dazu. Was habe ich mich in den USA über meine erste Porzellantasse statt eines Plastikbechers gefreut. Was habe ich den Genuss einer stabilen Gabel statt Plastikbestecks honoriert. Was habe ich mich geärgert über die 13 Servietten, die ich zu meiner Bestellung dazu bekam. Und über Wasser, das mir einfach mal im Glas serviert wurde statt als Flasche. Weil ich Europäerin bin. Mir wird ständig vermittelt, dass Müll böse ist, dass wir unsere Ressourcen schonen müssen und die Umwelt ein wichtiges Gut ist. Fehlte mir diese Sozialisation und die Hartnäckigkeit von Politik und Medien, dann hätte da wahrscheinlich viel seltener der kleine Ökoteufel auf meiner Schulter gesessen. Kritisiere ich also das amerikanische Bildungs- und Mediensystem? Vielleicht. Aber die Alu-Dose will ich gar nicht erst öffnen.

Friede, Freude, Vakuum-Ei.

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