United States of Absurdica – Teil 3 – Bad News

“Bad News like a Sucker Punch blew me away” (Bastille – Bad News)

Lasst uns in Teil 3 meiner absurden USA-Reise noch ein wenig im Medienbereich bleiben. Man glaubt es nicht, aber in Amerika gibt es sogar im Fernsehen (TV) so etwas wie Nachrichten (News). Und ja, ich schreibe bewusst: „so etwas wie“. Denn die Qualität deutscher Medien mal nicht hinterfragt: An unsere Neutralität kommen sie einfach nicht ran. Finde ich, Betreiberin des objektivsten Meinungsblogs meiner Welt.

Jetzt hatte ich beispielsweise das zweifelhafte Glück, während der Las Vegas-Anschläge „da drüben“ zu sein. Folglich habe ich die Berichterstattung während dieser Situation hautnah miterleben dürfen. Neutrale Nachrichten habe ich allerdings so gut wie keine erlebt. Stattdessen: Opferberichte ohne Ende. Weinende, betroffene Bürger. Ich könnte es auch BILD-Niveau nennen, aber aus Verunglimpfungsgründen käme ich nie auf diese Idee, so etwas zu schreiben. Ich denke, ihr wisst, worauf ich hinauswill.

Dasselbe galt in den Diskussionen rund um Obama Care. Da gab es zwar vielfach Diskussionsrunden, die unseren à la Anne Will glichen, die aber immer so voller persönlicher Geschichten war, dass die rein sachliche, objektive Ebene fehlte. Um nicht zu sagen: Wo waren die statistischen Info-Grafiken, die der Ur-Germane doch so sehr kennt und liebt? Sachliche Informationen hat mir das amerikanische Fernsehen tatsächlich keine gegeben: keine Zahlen, keine belegbaren Erfolgs- oder Misserfolgsgeschichten, kaum neutrale Informationen zum Lebenslauf des Schützen. Diskussionen um Freiheit und Waffen natürlich schon, aber auch die ohne verlässliche Hintergrundinformationen.

Ich könnte jetzt hingehen und sagen: Das ist super. So muss sich der mündige Mediennutzer selbst um seine Zahlen kümmern und kann in der Konsequenz keinen bösen Fake News unterliegen. Zumindest, wenn er sich ordentlich damit beschäftigt. Leider ist genau das der Punkt, denn: Wer macht das schon? Und hier verurteile ich weder den US-Amerikaner noch den Deutschen beziehungsweise bezweifele, dass es hier einen Unterschied gibt.

Natürlich kann man die „sachlichen“ Informationen – die Daten und Fakten –, die wir zu unseren Berichten geliefert bekommen, anzweifeln. Aber ist Anzweifeln nicht immer noch besser, als sich komplett selbst darum kümmern zu müssen? Ist nicht eine Basis wesentlich besser fürs Hinterfragen, als auch diese selbst beschaffen zu müssen? Alias die Grenze, sich überhaupt damit zu beschäftigen, noch höher und damit unwahrscheinlicher?

Wenn ich mich aber mit Nachrichten nicht auseinandersetze, dann sorgt das dafür, dass ich auch nicht urteilen kann. Urteilen heißt: hinterfragen, abwägen, für mich selbst entscheiden, wie ich zu etwas stehe, ganz persönlich. Wie soll ich das nur auf der Grundlage emotionaler Berichte tun? Wenn ich aber nicht vollumfänglich in der Lage bin, zu urteilen, dann kann ich auch nicht mit einer guten, verlässlichen Informationsbasis wählen. Hat das vielleicht mit zu Trump beigetragen?

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