United States of Absurdica – Teil 4 – Griff ins Klo

„Flush mich nochmal“ [Mark Forster, leicht abgewandelt 😉 – Flash mich]

Bekanntermaßen verdauen Frauen nicht – und wenn doch, kommen nur rosafarbene Lilien dabei raus, die nach Feenstaub duften. Wissen wir ja alle. Wäre dem nicht so, bräuchte sogar Frau eine Toilettenbürste. Die sie in den USA zumindest auf öffentlichen Toiletten, teilweise aber auch in Privathaushalten, vergeblich suchen würde. Zeit, einfach mal über ein ganz grundlegendes menschliches Bedürfnis zu reden.

Es mag überraschen, dass ich auf meiner Reise auch die ein oder andere öffentliche Toilette besuchen durfte. Abgesehen natürlich von lauschigen, heimeligen Hotelklos. Auf keinem gab es eine Toilettenbürste. Auf keinem. Ich bin nicht sicher, warum. Theoretisch soll es wohl so sein, dass durch das andere Spülsystem in den USA – diese Absaugmethode – alles vernichtet werden soll, was an Schmutz (weiblich: Blütenstaub) jemals hätte vorhanden sein können. Das Zauberwort ist hier allerdings theoretisch. Ich habe gehört (hüstel), das funktioniere nicht immer, wie der Erfinder sich das gedacht hat. Und so bleibt eben doch einiges am Reinigungspersonal hängen, und ich frage mich: Dumm? Faul? Falsches Serviceverständnis?

Aber apropos Serviceverständnis: Während es an der Bürste mangelt, mangelt es an Toiletten selbst nicht. Das bedeutet: Wir Deutschen hinken unfassbar hinterher, was die Klo-Quantität an Klos angeht (Unser KQ ist niedriger als der der USA J). Und während wir oftmals panisch – und peinlich berührt – nach einer Toilette Ausschau halten müssen oder sogar ins Planen und Strukturieren kommen, kann sich der Amerikaner entspannen: Die nächste Toilette ist garantiert nicht weit.

Das i-Tüpfelchen des Ganzen? Sie sind alle absolut kostenlos, und die allermeisten sogar ordentlich, vollständig ausgestattet (außer einer Toilettenbürste) und hygienisch einwandfrei. Und zwar ohne dass jemand davor sitzt und einen bösen anguckt, wenn man ihm nicht 50 Cent hingeworfen hat.

In Deutschland schon mal in ein Restaurant gerannt und verzweifelt – aber durchaus noch charmant – nach einer Toilette gefragt? Hui, was habe ich schon Unfreundlichkeiten diesbezüglich erleben dürfen. Da verdient der Deutsche ja kein Geld mit und muss sogar noch putzen. Schande, wem Schande gebührt. Asche über meine Blase! Ist es nicht furchtbar, dass ich mich für ein Grundbedürfnis schämen muss? In den USA absolut undenkbar. Übrigens ebenso undenkbar, wie die Vorstellung, seine Notdurft im Gebüsch zu erledigen. Ist ja aber bei der Toilettendichte auch gar nicht nötig. Gut, dass es sich hierbei um eine Naturerfahrung handelt (im doppelten Sinne, haha), auf die ich wunderbar verzichten kann. Ob die Begrifflichkeit Restroom (Pause, Entspannung) jetzt allerdings unbedingt immer zutrifft, das lasse ich mal dahingestellt.

Wichtig ist eigentlich nur, dass auch hier mal wieder einiges über die Mentalität der beiden Staaten festzustellen ist. Die Amerikaner haben meiner Meinung nach schon ein anderes, umfassenderes, Verständnis von Service als wir. Und das wiederum bedeutet, dass es vollkommen indiskutabel ist, für bestimmte Leistungen Geld zu verlangen: Toiletten, heißes Wasser, Becher,… Für andere Services wird dann eben eine ganz andere Gebühr erhoben, als sie bei uns vorstellbar ist: Trinkgeld als berühmtes Beispiel. Nichtsdestotrotz finde ich es insbesondere bezüglich dieses wirklich so basalen menschlichen Bedürfnisses eine tolle Idee: verfügbare, kostenlose Toiletten überall, ohne dass ich mir Gedanken über das Wo, Wie, Wann und nicht zuletzt Wie viel? machen muss. Gestaltete mein Alltagsleben oft sehr viel entspannter und weniger schamhaft.

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