United States of Absurdica – Teil 6 – Rassige USA

“I Have A Dream” (Westlife)

„Rassen-Unruhen“ ist ein Begriff, der uns im Zusammenhang mit den USA immer wieder begegnet. Ich war beispielsweise gerade in Washington, als eine riesige Demonstration für die Rechte und die gesellschaftliche Akzeptanz von Schwarzen* stattfand. Auf meiner ganzen Reise waren mir aber immer wieder Tags, Poster und Shirts mit der Aufschrift „Black Lives Matter“ begegnet. Furchtbar.

Furchtbar? Hat sie gerade geschrieben, sie fände so eine wundervolle schwarze Menschenrechtsbewegung furchtbar? Nein, hat sie nicht. Sie findet nur den Slogan enorm bescheuert. Mir erscheint der nämlich ein bisschen… zu einfach gedacht. Ja, schwarze Leben sind bedeutungsvoll. Weiße, gelbe, grüne, pelzige, dicke, dünne, behinderte Leben aber auch. Selbst die Leben von verkorksten Alkoholikern oder Sexualstraftätern sind bedeutungsvoll. Übrigens ein Grund, aus dem ich nichts von der Todesstrafe halte.

„Black Lives Matter“ sagt für mich aber nicht nur aus, dass das Leben von Schwarzen eine Bedeutung trägt und (denselben) Respekt verdient (wie das aller anderen), sondern schließt immer auch andere aus. Denn „Black Lives Matter“ klingt für mich exklusiv. Zu exklusiv für die so wichtige Aussage. Wenn schwarze Leben bedeutungsvoll sind, was ist denn dann mit denen, die ebenfalls vermeintliche Randgruppen sind? Wie gehen die USA (und wir auch) mit ihren Muslimen um? Mit ihren Juden oder ihren Griechisch-Orthodoxen? Mit jedem, der auf den ersten Blick nicht der Norm entspricht? Ist hier alles super? Ich bezweifele das stark.

Viel stärker fände ich den Slogan „Lives Matter“ oder „Every Life Matters“. Schon klar, da würden sich die Schwarzen vielleicht nicht sofort mit identifizieren (können/wollen?), aber alleine das ist für mich ein Argument dafür, dass es der bessere Slogan ist. Wenn jede vermeintliche Randgruppe, jeder vermeintlich Andersartige nach seinem persönlichen, individuellen Inklusions-Slogan sucht, dann hat das mit Inklusion eben genau nichts mehr zu tun.

Wenn wir uns aber vor Augen führen, dass jedes verdammte Leben auf diesem Planeten wertvoll ist – woher auch immer es kommt –, dann schließt das vom leprakranken, jüdischen Menschen bis zum zerteilten Regenwurm jedes Lebewesen ein. Jedes kreuchend-fleuchende Tierchen bis zum hochintelligenten, schwarzen, schwulen Nobelpreisanwärter. Warum auch nicht?

Wer oder was auch immer hat all diesen Kreaturen hier eine Chance gegeben, diesen Planeten zu bevölkern und Auswirkungen auf ihn zu haben, zu wirken. Es steht in niemandes Macht, über den Wert einzelner „Rassen“ zu urteilen. Es steht uns nicht zu, irgendwen aufgrund irgendeiner Zugehörigkeit zu be- oder zu verurteilen. Wenn wir das endlich verstehen, verinnerlichen und leben – „Every Life Matters“! –, dann ist das ein gigantischer Schritt Richtung Weltfrieden.

 

*Vielleicht nennt man sie politisch korrekt dunkelhäutig, stark pigmentiert, Menschen mit andersfarbigem Hintergrund oder ähnlich. Ich nenne sie hier kaltblütig und weißhäutig „schwarz“.

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2 thoughts on “United States of Absurdica – Teil 6 – Rassige USA

  1. Ich verstehe deinen Punkt. Ich würde hier allerdings tatsächlich für mehr Sensibilität dieser spezifischen Formulierung im Kontext der amerikanischen Geschichte plädieren. die Aussage “Lives matter” oder “Every life matters” würde nicht nur implizieren, dass jedes Leben gleich viel wert, sondern auch jedes Leben dem gleichen Risiko ausgesetzt ist, gelebt werden zu dürfen oder genommen zu werden. Und das war faktisch in der amerikanischen Geschichte grade in Bezug auf die Trennung zwischen Weißen und Afro-Amerikanern nicht so. Dass sich auf den speziellen Wert schwarzen Lebens bezogen wird, liegt daran, dass schwarzes Leben grade in Kontexten von Polizeigewalt eben nicht den gleichen Stellenwert wie weißes hatte. Mit diesen bis in die Gegenwart vorherrschenden fundamentalen Ungleichheiten muss meines Erachtens nach erstmal im Hinblick auf die spezifisch benachteiligten Gruppen aufgeräumt werden, bevor überhaupt ein einheitliches Verständnis von “alle Leben sind gleich viel wert” in den Köpfen auch derer vorherrscht, deren Lebenswert nie herabgestuft oder in Frage gestellt wurde. Die spezifische Benachteiligung anderer Randgruppen mitzudenken kann aber nicht die Aufgabe “Schwarzer” sein, denn in ihrer Erfahrung, wegen einer bestimmten Erfahrung unterdrückt zu sein, haben sie nicht die Pflicht, sich nur deswegen mit anderen Unterdrückten zu solidarisieren. Idealerweise wäre eine Bewegung wie Black Lives Matter dementsprechend eine (von vielen) Bewegungen der Nicht-Mitgedachten, die auf ein Umdenken gesellschaftlicher Hierarchien hinwirken, sodass das Black (Female, Muslim…) irgendwann hoffentlich überflüssig sein wird – aber meines Erachtens leider noch lange nicht ist.

    1. Absolut! Verstehe ich total, aber ist es wegen der Geschichte richtiger, erstmal nur einen kleinen Schritt zu gehen? Wie viele Schritte braucht es dann noch, um ans Endziel zu kommen? Fordert nicht ein großer Schritt (Umdenken bezüglich “Alle Leben zählen”) denselben Aufwand wie ein kleiner Schritt (“Black Lives Matter”)? Ich frage mich eben, ob da nicht wieder ein Ausgeschlossensein gefördert wird, das eben gerade nicht mehr gewollt ist oder gewollt sein sollte.

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