Work hard, play hard

Warum ich Work-Life-Balance irgendwie als einen Widerspruch empfinde …

Die Work-Life-Balance muss stimmen, sonst werden wir unglücklich. Heißt es. Deswegen auch Burn-Outs und so. Die Menschen arbeiten einfach zu viel. Tun sich zu wenig Gutes. Achten zu selten auf sich. Sind zu wenig selbstfürsorglich. Zu viel work, zu wenig life. Keine Balance eben. Aber da stimmt doch was nicht: Ist nicht Arbeit irgendwie ein Teil des Lebens? Kommt nicht Beruf von Berufung und damit von etwas, was wir gerne machen (sollten)?

Mit der Abgrenzung zwischen „Leben“ und „Arbeit“ begehen wir doch bereits einen verkorksten Denkfehler. Wie kann es sein, dass die Arbeit scheinbar so wenig Teil eines schönen Lebens ist, dass wir einen Ausgleich dazu brauchen, der uns körperlich und seelisch gesundhält? Sollte Arbeit nicht so viel Spaß machen, dass sie zu einem ganz natürlichen Teil des Lebens wird?

Eine naive Ansicht? Möglich. Eine utopische? Hoffentlich nicht! Ich fordere ja nur dazu auf, Berufe zu ergreifen, die uns Freude machen. Individuell. Das zumindest als ersten Schritt. Denn wer einen Beruf hat, der ihm ganz generell keinen Spaß macht, der wird natürlich Arbeit als einen Teil seines Lebens betrachten, den er gerne rausschneiden würde. Absolut logisch soweit.

Schritt zwei wäre dann – und das ist der für Fortgeschrittene – meinen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass ich ihn als angenehm empfinde. Wenn das nicht der Fall ist, dann liegt das nicht nur an den Umständen, sondern auch an mir: Habe ich denn wirklich alles versucht, um Situationen, die Atmosphäre, Beziehungen etc. so zu gestalten, dass ich gerne an die Arbeit gehe? Harte Frage, aber die einzig produktive.

Natürlich gibt es Stellen, die so verkorkst sind, dass man da nicht arbeiten möchte. Und gegen Mobbing lässt sich auch nur in wenigen Fällen etwas unternehmen, das zum Happy End führt. Oder zur Happy Work. Und natürlich bin ich dann nicht in Balance mit mir selbst. Natürlich gehe ich dann nicht gerne an die Arbeit und habe ein supischönes, erfülltes Leben. Aber auch dann liegt die Veränderung in mir.

Eine schlechte Work-Life-Balance ist immer auch Meckern auf hohem Niveau. Der Unwille, etwas zu ändern. Brutale Ansicht, gell? Damit müsst ihr jetzt leben. Aber ich finde es schon traurig, wie sehr sich Menschen aufs Wochenende und ihren Urlaub freuen. Das darf doch nicht der Sinn von Arbeit sein.

Sage ich damit gleichzeitig, Menschen mit Burn-Out seien selber Schuld? Zu gewissen Teilen mit Sicherheit. Denn sie haben in allen Fällen nicht genug auf sich geachtet und rechtzeitig die Bremse gezogen. Aber: Ihre Motive sind gesellschaftlich bedingt. Die Wenigsten rackern sich aus Spaß an der Sache ab wie Verrückte, sondern weil die Umstände oder die Erwartungen es erfordern. Weil der Rubel rollen muss. Weil der Nachbar seinen schicken Schlitten in der Einfahrt parkt und ich mithalten muss. Weil die Familie in Syrien überleben muss.

Das Schlimme ist das Muss.

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