Wortschatz: Mitleid

Mitleid ist etwas, was wir definitiv nicht haben wollen. Ein mitleidiger Blick, den wir zugeworfen bekommen. Für ein Verhalten oder eine Situation, in der wir uns befinden. Nein, das geht gar nicht. Wir sind ja die starken, toughen Typen, denen nichts etwas ausmacht, die mit allem umgehen können. Eigentlich traurig.

Leid können wir aus dem Althochdeutschen ableiten als etwas Unrechtes, das uns widerfährt, in großem Kummer resultierend. Klar, kennen wir alle. Woher auch immer dieser Kummer kommt – da gibt es keinen Unterschied zwischen dem gebrochenen Bein und dem gebrochenen Herzen –, wir leiden fürchterlich. Und erstmal tun wir das alleine, denn es ist unser ganz eigenes Gefühl in unserer ganz eigenen Situation.

Wenn jemand Mitleid mit uns empfindet, ist das nicht in Ordnung. Da reagieren wir in dummer Überheblichkeit: Das habe ich nicht nötig. Dabei ist Mit-Leid doch nur das Angebot eines anderen Menschen, unseren Kummer und unser schlechtes Gefühl auf zwei Schultern, Herzen, Gipsverbänden oder was auch immer zu teilen. In aller Regel ist Mitleid nicht böse und nicht herablassend gemeint. Es anzunehmen, fällt uns trotzdem schwer.

Mit Mitgefühl können wir dagegen besser umgehen. Was keinen Sinn ergibt, bedenken wir, dass die Wortherkunft beider Wörter auf das griechische „sympátheia“ zurückgeht. Letztendlich sind also Mitgefühl und Mitleid ein und dasselbe. Allein das ist ein schöner Gedanke. Denn obwohl sich auch Mitgefühl meist auf negative Gefühle und Situationen bezieht, ist hier zumindest denkbar, dass auch positive Empfindungen miteinander geteilt werden. Dieses Teilen von Emotionen aufgrund von Ereignissen, das ist doch menschlich gesehen etwas ganz Tolles!

Wir aber scheuen uns, das anzuerkennen oder gar anzunehmen. Es geht uns gut. Egal was uns passiert, wir teilen unsere Gefühle so selten und so selten mit. Dabei ist das eine wunderbare Idee im Sinne von: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Dann könnte ja gevierteltes Leid schon… Es heilt ja nicht nur die Zeit die Wunden. Auch Worte, körperliche Nähe, das Gefühl, nicht alleine zu sein. Wenn jemand mit-leidet, obwohl er gar nicht betroffen ist. Weil ich Mensch ihm Mensch etwas bedeutet. Das ist dann Mit-Menschlichkeit, Mit-Gefühl und Mit-Einander. Vergesst euren Stolz, lasst euch bemitleiden!

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