Wortschatz: Pflichtgefühl

Pflichtgefühl. Mal ganz langsam ausgesprochen und in seine beiden Teile zerlegt, ja? Pflicht. Gefühl. Passt das zusammen? Ich finde, irgendwie nicht.

Zum einen könnten wir hier davon ausgehen, dass wir uns zu einem Gefühl verpflichtet fühlen müssten. Ist nicht der Wortsinn, ich weiß, aber spinnen wir mal. Tun wir mal so, als lernten wir unsere absurde Sprache und wollten uns dieses neue Wort erschließen. Also: Ich fühle mich dazu verpflichtet, etwas zu fühlen. Etwas – oder etwas Bestimmtes. Beides irgendwie doof. Ich stelle mir dazu beispielsweise vor: Mann sagt seiner neuen amourösen Verwicklung: „Ach, Herz, ich liebe dich!“, hupsi, das muss ich jetzt also auch fühlen. Pflichtgefühl Liebe. Nee. Ist für mich nicht stimmig.

Gehen wir nun aber zum eigentlichen Wortsinn über, ja? Also, die Umsetzung einer Pflicht, weil sie eben sein muss.

[Kleiner Einschub: Bei Pflicht handelt es sich übrigens etymologisch gesehen ganz, ganz ursprünglich mal um das Wort „Pflege“, was ich sehr schön finde, wenn man es mitdenkt.]

Also, ich fühle mich verpflichtet, jemandem einen Dienst zu erweisen, warum auch immer. Ich mache die Tätigkeit aus Pflicht-Gefühl. Hm. Immer noch nicht stimmig. Ist es nicht eher Pflicht-Denken? Denn ein Gefühl ist ja nun mal etwas Gefühltes. Also nicht greifbar vorhanden. Ergo ist entweder die Pflicht nicht vorhanden – was wiederum dazu führen würde, dass ich sie auch lassen könnte, weil sie ja gar nicht tatsächlich existiert – oder aber mein Gefühl ist nicht vorhanden. Wenn aber mein Gefühl gar nicht da ist, dann muss da ja erstmal ein Gefühl gegenüber der Pflicht da sein. Und das ist im Wortzusammenhang ja an sich negativ, richtig? Ich jedenfalls kenne niemanden, der etwas aus Pflicht-Gefühl jauchzend tut.

 

So. Seid ihr noch da? Lasst uns zusammenfassen: Doofes Wort. Und wenn es nur negativ konnotiert ist, können wir es dann nicht streichen und nur noch die Dinge tun, zu denen wir uns nicht verpflichtet fühlen, sondern die wir aus irgendeinem Grund gerne machen?

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