Wortschatz: Rechtfertigen

Eins dieser schwachen deutschen Verben, die negativ konnotiert sind. Zu Recht. Denn sich für etwas rechtzufertigen, bedeutet immer auch irgendwie, zu wissen, dass das eigene Verhalten nicht korrekt war. Sonst müsste ich mich ja gar nicht rechtfertigen. Im besten Fall hat mich mein Gegenüber einfach missverstanden, im schlechtesten denke ich mir irgendwelche Ausreden für Blödsinn aus. Lasst uns die Bedeutung doch einfach ein bisschen überarbeiten.

Dazu nehmen wir ein großes Messer und schneiden das böse Wort auseinander. Recht. Fertigen. Recht ist grundsätzlich was Gutes. Ich habe Recht, ich habe das Recht, etwas zu tun, etwas ist recht. Kann schon mal nicht so schlimm sein.

Auf der anderen Seite des Schneidebrettchens liegt nun noch fertigen. Auch nicht schlecht. Produzieren, herstellen. Gut. Aus unserem negativen Frühstück sind zwei erstmal ganz leckere Teile geworden, die wir jetzt nur noch kombinieren müssen.

Ein Recht fertigen. Das machen wir jetzt nicht für uns und unser Verhalten – dann wären wir ja wieder in der negativen Konnotation, sondern für die Zukunft. Ich nehme mir ein Recht heraus, das ich aufgrund meines zerschnittenen Frühstücks gewonnen habe. Ich produziere ein Verhalten (ein Recht fertigen), das vollkommen in Ordnung ist. Mit dem nicht nur ich, sondern auch andere leben können. Das natürlich reflektiert.

Wie bei der ursprünglichen Bedeutung des Verbs, habe ich mir also etwas herausgenommen, was so eigentlich nicht gedacht war. Aber: Ich habe etwas Konstruktives daraus gemacht, in dem Glauben, dass es noch nicht alle tollen Rechte gibt, die unserer Gesellschaft und/oder uns selbst gut tun würden.

Zack, negative Konnotation in positive verwandelt.

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