Wortschatz: Würde

Es geht hier nicht um den Konjunktiv von „sein“. Es geht hier um das Menschenrecht. Das, was unantastbar sein soll. Das, was den Wert eines Menschen definieren soll. Das, was vielleicht auch eine Art Charakterzug sein kann. Oder soll. Die Würde.

„Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt, und die ihm deswegen zukommende Bedeutung“ definiert sie der Duden. Achtung gebietender Wert. Das klingt schön, oder? Welch nette Vorstellung, wir würden uns alle mit Achtung und Respekt begegnen, gemäß der uns innewohnenden Würde. Die, so die zweite Definition des Duden, das „Bewusstsein des eigenen Wertes“ wiederspiegelt und damit zu einer „bestimmte[n] Haltung“ führt. Kennen wir unsere Würde, kennen wir unseren eigenen Wert. So der sprachtheoretische Zusammenhang.

Interessant sind dann aber die Redewendungen in dem Zusammenhang: Etwas kann nicht nur unter meiner Würde sein, sondern auch unter aller Würde beziehungsweise gleich völlig würdelos. Wenn es meine und aller Würde gibt, dann heißt das ja auch, dass es unterschiedliche Formen – vielleicht sogar unterschiedliche Ebenen der Würde gibt. Etwas, was unter meiner Würde ist, wäre folglich also nicht zwangsläufig unter aller Würde. Warum? Weil Menschen einen unterschiedlichen Wert haben? Weil sie sich selbst einen unterschiedlichen Wert zuweisen und in der Folge ihre Definition der eigenen Würde veränderlich ist?

Dass wir uns aber einen unterschiedlichen Wert zuweisen, aufgrund unserer Familien-, Arbeits-, monetären Situation etc., das ist doch ein falscher Denk-Ansatz. Sind wir nicht alle Menschen, alle gleich, alle mit unantastbarer Würde? Warum ist es für den Businessman unter dessen Würde, in einem normalen Hotelzimmer statt in der Suite zu schlafen, während für den Penner die Brücke reichen muss? Entsprechen wir unserem eigenen Anspruch von Würde? Leben wir würdevoll? Haben wir die Chuzpe, nein zu sagen, wenn etwas unter unserer Würde ist? Ich denke, meistens nicht. Wegen Abhängigkeitsverhältnissen.

Ich verkaufe mich unter meiner Würde, um angestellt zu bleiben. Um Teil der Gesellschaft zu bleiben. Ich verkaufe mich unter meiner Würde, um meinen Partner nicht zu verlieren. Um Teil der (vermeintlichen Normalität zu bleiben). Ich verkaufe mich unter meiner Würde, um den schwarzen Putzjob nicht zu verlieren, der meinen Kindern das Frühstücksbrot sichert. Um Teil meiner eigenen Ansprüche zu bleiben. Weil wir das Fordern aufgegeben haben. Weil Fordern gefährlich ist.
Denn dann würde…

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