Wortschatz: Kratos

Wir Deutschen leben in einer Demokratie. Fakt. Auch wenn vielleicht einige das anders sehen. Und auch ich der Meinung bin, dass es sich um eine verbesserungswürdige handelt. Aber: Generell haben wir es nach den gängigen Kriterien für sie nicht schlecht getroffen. Aber von vorne.

Demokratie, das bedeutet „Macht des Volkes“. Abgeleitet natürlich – wie das ganze Konzept – von den klugen alten Griechen. Demos nämlich, das Volk, und Kratos, die Macht oder Herrschaft. Demos hat übrigens nix mit Demonstration zu tun. Das wiederum ist Latein: demonstrare, auf etwas hinweisen. Was in einer Demokratie auch nicht das Schlechteste ist.

Die Macht des Volkes also. Die sehen viele heutzutage nicht mehr wirklich und dennoch ist sie natürlich – im Gegensatz zur Autokratie – fest verankert: Wir können frei wählen, wir können frei unsere Meinung äußern und wir können Parteien gründen. In Maßen und mit teilweise kritisierbaren Einschränkungen, aber ganz grundsätzlich ist das hier möglich.

In der Autokratie nicht. Autokratie, wieder griechisch, wieder Kratos, also die Macht, diesmal aber kombiniert mit Autos: selbst. Bedeutet, dass ein Einzelner oder eine Gruppe die ganze Herrschaft in seinen Händen hat, ohne dass das Volk einen Pieps dazu sagen kann oder darf (beziehungsweise die Konsequenzen zu spüren bekommt, tut es das doch). Gibt es in Europa mittlerweile leider auch mehr oder weniger.

Die Monokratie geht in eine ähnliche Richtung, nur eben im Kleineren. Kratos spielt auch hier wieder eine Rolle, verknüpft mit Mono, also einzeln: Ein Einzelner hält die Macht in den Händen, aber eher in Gruppen und Gemeinschaften als auf der ganz großen politischen Bühne. Gegenteil ist dann, Überraschung, die Polykratie. Poly, viele, also viele an der Macht. Ob funktional oder Chaos, das sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Wer oder was ist denn nun aber dieser Kratos? Ha! Das ist nämlich nicht nur so ein Wort. Nein! Viel besser: Er ist der griechische Gott der Macht. Okay, die „God of War“-Spieler unter euch wussten das vielleicht schon. Vielleicht aber zumindest nicht, dass er bei den Römern den gar simplen Namen Potestas trug (Protestas hätte mir hier wortschatztechnisch noch ein klein bisschen besser gefallen). Und dieser feine Herr kämpfte zum Beispiel an der Seite des Zeus gegen die Titanen. Was ja, denken wir an unsere heutige Demokratie, auch wieder eine spannende Verknüpfung ist, oder?

Und damit wünsche ich euch einen feinen, nachdenklichen Tag der Deutschen Einheit, ihr Kratonen!

Liken und teilen:

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.