Wortschatz: Schicksal

Wohin schickt uns das Schicksal? Oder was schickt es uns? Und warum ist es eigentlich meistens mindestens melancholisch konnotiert, wenn nicht sogar negativ?

Von der Begrifflichkeit des Schicksals und dessen Bedeutung kann man halten, was man will. Tatsächlich kommt es vom „Schicken“ und wurde ursprünglich verstanden als etwas, was uns von höheren Mächten – damals selbstverfreilich vom lieben Herrgott – gesendet wurde. Ob unabänderliche Fügung oder nicht, zumindest aber nicht beeinflussbar.

Interessant ist hier übrigens auch das Affix -sal. Das kommt im Deutschen nämlich gar nicht so häufig vor. Und wenn wir uns die Liste mal anschauen, dann sind es überwiegend negative Worte, die mit -sal am Ende gebildet werden: Trübsal, Mühsal, Scheusal,… Bedeutet übrigens, dass wir etwas erhalten. Wer Trübsal bläst, ist also mit „Trübsein“ ausgestattet worden. Von wem auch immer. Wer Mühsal hat, mit Mühe, wer ein Scheusal ist, ist eigentlich … schüchtern?! Nicht immer schlüssig, ich geb es zu. Deutsch eben.

Und im Sinne des Schicksals ist es sogar doppelt gemoppelt – hält ja bekanntlich besser! –, denn mit „Schicken“ kann ich an sich nicht ausgestattet werden. Nur mit dem Schicksalspaket. An das ich glaube oder nicht. Dann möchte ich allerdings wissen, warum es nicht sowas Hübsches wie „Pechsal“ gibt oder „Glücksal“. Gerade Glück bekommt doch jeder ganz gerne zugeschickt, oder?

Der Glaube an das Schicksal macht es uns natürlich auch recht leicht, passiv zu sein. Ist halt so. Ist eben Schicksal. Kann ich nicht ändern. Ob das eine gesunde Haltung ist, mit dem geschickten Paket umzugehen? Oder machen wir es uns mit Schicksalsgläubigkeit nicht doch ein bisschen sehr einfach? Geschickte Vermeidungsstrategie.

Im Hessischen heißt es übrigens: „es schigged“, wenn man genug von etwas hat, im Sinne von “es reicht”. Sollten sich die Schicksalsgläubigen vielleicht auch öfter mal sagen, um aus der Lethargie rauszukommen?

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