Wortschatz: Zwischen den Jahren

Ach, was wird diese lustige, vollkommen sinnfreie Floskel dieser Tage wieder häufig benutzt. Sinnfrei, weil: Zwischen den Jahren ist ja immer. Morgen schon ist es zwischen 2016 und 2017. Zwischen 2017 und 2018 ist es eigentlich erst ab Neujahr, und an Silvester, da ist dann eigentlich nur ein richtig eindeutiges Jahr, oder? Wenn überhaupt. Was gemeint ist, weiß jeder, und die Schweizer drücken sich ausnahmsweise sogar mal anständiger aus als wir Deutschen: Altjahrswoche nennen sie diese Zeit. Das ergibt vollkommen Sinn. Die letzte Woche im alten Jahr. Aber hinterfragen wir doch mal diese „Zwischenzeit“. Woher kommt denn dieser Ausdruck?
Gemeint sind nämlich tatsächlich zwei Wochen (grob die letzte des alten und die erste des neuen Jahres), die sich „Rauhnächte“ nennen, was ich persönlich schön-gruselig finde. In dieser rauen Zeit ziehen sich nicht nur die bösen Mächte zurück (Wohoo, endlich! Bis wann?), sondern hier wird auch das Wetter für’s gesamte neue Jahr festgelegt. Es gibt also einiges zu tun für Petrus und die Froschgeneräle.
Falls ihr zudem noch die perfekte Ausrede braucht, endlich mal zu einer Wahrsagerin gehen zu dürfen, ohne euch dafür schämen zu müssen, dann liefere ich euch die hiermit auch: Diese Zeit zwischen den Jahren, die ist nämlich mythisch so aufgeladen (die bösen Mächte, wisst ihr Bescheid), dass ihr hier eindeutig die absolut zutreffendsten Aussagen über euer Leben, eure Zukunft, die Liebe, Karriere oder was auch immer ihr wissen wollt, bekommen werdet. So zutreffend, wie Astrologie eben sein kann. Wer sichergehen will, dass ihm in der Zeit nichts passiert, möge übrigens bitte sicherheitshalber fasten und beten (ja, ich weiß, dass die Weihnachtswoche dabei ist). Zu wem oder was auch immer.
Die Brauchtümer aus dieser Zeit sind uns heute irgendwie allesamt abhanden gekommen – vermutlich zu fordernd in der Weihnachtszeit und zu Silvester. Trotzdem wünschen wir uns noch eine schöne Zeit zwischen den Jahren und einen guten Rutsch. Vielleicht Überbleibsel des volkstümlichen Aberglaubens. Auf jeden Fall aber eine Zeit der potenziellen Neu-Ordnung. In diesem Sinne: Rutscht rau!

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