Wieso, weshalb, warum …

… gibt es sehr wohl dumme Fragen?

An sich ist das ja eine schöne Aussage: Es gibt keine dummen Fragen. Das nimmt uns allen erstmal die Angst davor, jegliche Fragen zu stellen. Schließlich bleiben wir dumm, wenn wir das nicht tun. Das hat uns schon Samson beigebracht.
Ich finde allerdings schon, dass es dumme Fragen gibt. Solche nämlich, auf die es offenkundige Antworten gibt oder keine. Und damit meine ich nicht Fragen wie “Was ist eigentlich die Hauptstadt der Schweiz?” (übrigens eine sehr intelligente Frage!), sondern die Fragen, die darauf hindeuten, dass unser Gegenüber uns entweder nicht wahrgenommen hat, kein Interesse zeigt oder sich lediglich etwas Kommunikatives oder Beziehungstechnisches wünschst.
Konkreter? Gerne! “Liebst du mich?” und “Findest du mich eigentlich hübsch/zu dick?” gehören zu den Klassikern. Auf diese Fragen gibt es kaum bis keine befriedigenden Antworten. Zudem dienen sie meines Erachtens nach lediglich dem eigenen Ego und der Überprüfung des Beziehunsstatus. Die Antwort auf die Frage – ja, nein -, die spielt meist gar keine Rolle. Vielmehr allerdings unsere resultierende Interpretation: Was bedeutet es denn, wenn er auf die erste Frage nur zögerlich antwortet oder gar die Augen verdreht? Meint er die Antwort, er finde mich nicht zu dick, auch wirklich ernst oder sagt er das etwa nur so? Wenn wir aber die erhaltene Antwort gar nicht wirklich ernst oder wahrnehmen, dann ergibt die Frage an sich keinen Sinn. Folglich: Dumme Frage.
“Wie geht es dir?” ist übrigens ein Grenzfall. Meinen wir es ernst oder ist es nur eine Floskel? Wollen wir wirklich wissen, wie es unserem Gegenüber geht, handelt es sich um eine ausgesprochen intelligente Frage: Wir zeigen Interesse am anderen, wir stärken unsere Beziehung. Sehr schön. Sehr klug. Ist es nur eine Floskel, halte ich es für eine dumme Frage. Die Antwort interessiert schließlich nicht, also ließe sich die Frage auch sparen. Fragen, die nur aus Höflichkeit gestellt werden, sind selten besonders klug. Selbst wenn sie nun mal dazugehören.
Dasselbe gilt für Fragen, die auf Wiederholtes zielen: “Hast du eigentlich Tante Gerda schon zum Geburtstag gratuliert?” “Ääähm, ja, das habe ich dir vor fünf Minuten gesagt.” Hups. Nicht zugehört. Entlarvt. Das sind meistens Fragen, die unabsichtlich sinnlos und dumm sind, unser Gegenüber aber nichtsdestotrotz verletzen (können). Also auch blöd gelaufen.
Fragen nach nachschlagbarem Wissen können dagegen nie dumm, sondern höchstens nervig und deplatziert sein. Aber nie dumm. Klar kann ich selbst nachschauen, was denn nun die Hauptstadt der Schweiz ist. Aber vielleicht habe ich in einer geselligen Runde auch einfach mal gerade keine Lust, mein Smartphone zu zücken und Siri, Alexa und Co. zu befragen. Und im allerbesten Fall entwickelt sich daraus ein interessantes Gespräch. Folglich: kluge Frage. Selbst wenn wir unser mangelndes Wissen entlarven, selbst wenn wir uns nackig machen. Mangelndes Wissen schließlich sollte nie verurteilt werden. Wir können nie alles wissen. Und wer nicht fragt, bleibt dumm.

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