Zeigt her eure Zähnchen!

Warum Elektrifizierung nicht immer Fortschritt ist …

Hmmm, es vibriert. Wie ich mir das schöne, längliche Ding herrlich in die feuchte Höhle schiebe. Ein Traum. Ein Genuss. Ich werde danach so befriedigt sein. Gib mir drei Minuten, du Sau! Jawoll. Fertig. Nein, ich stehe nicht drauf. Es ist einfach nicht meins. Elektrische Zahnbürsten und ich werden keine Freunde.

Mir erschließt sich einfach nicht, warum ich einen stolzen Preis für ein Gerät zahlen soll, das ich in manueller Ausführung für 25 Cent bekomme. Folgekosten von Strom, Wechsel- und Ersatz-Bürsten etc. beim elektrischen Modell noch nicht mit eingerechnet. Vor allem dafür, dass es mir ein unangenehmes Gefühl im Mund macht und merkwürdig laut ist.

Ähnlich geht es mir übrigens mit der gehypten Crowdfunding-Amabrush. Warum sollte ich Geld zahlen für ein Gerät, das mir meine Zähne, ohne dass ich meine Hände einsetzen muss, innerhalb von 30 Sekunden reinigt? Riesige Zeitersparnis? Na ja, die drei Minuten manuelles Zähneputzen habe ich gerade noch übrig. Auch die Vorstellung, dass das alles in einer App landet und ich meine persönliche Zahnputz-Performance mit anderen vergleichen kann oder einen Daily Reminder bekomme, finde ich jetzt nicht so attraktiv.

Ich mag Zähneputzen auf herkömmliche Art und Weise. Ich mag es, meine Zähne leidenschaftlich zu schrubben. Manchmal mache ich sogar was nebenbei, ich hab ja noch eine Hand frei. Manchmal starre ich mich dabei im Spiegel an und bewundere danach das Ergebnis meiner schweren, körperlichen Arbeit. Übrigens hatte ich in meinem ganzen Leben noch nie ein Loch im Zahn! Noch nie! Die Zahn-Arbeit, die ich vollbringe, mache ich also zur vollsten Zufriedenheit meines Dentisten! Sagt er mir auch jedes Mal: „Was für schöne Zähne für Ihr Alter!“ Okay, den Nachsatz dürfte er sich sparen, aber es geht ja ums Prinzip.

Allerdings ist es mir jetzt schon mehrfach untergekommen, dass ich komische Blicke dafür geerntet habe, keine elektrische Zahnbürste zu besitzen. Die scheint mittlerweile fast mehr Standard geworden zu sein, als der Plastik-Schrubber aus dem Supermarkt. Warum? Ist das auch ein kranker Auswuchs unseres merkwürdigen Selbstoptimierungs-Zwangs? Oder des Hygiene-Wahns à la „Duschen muss schon täglich sein!“?

Mir erschließt sich einfach nicht, warum. Warum Geld investieren in etwas, das doch auch so geht. Wozu brauche ich Elektrik im Mund? Wozu 30-Sekunden-High-Tech? Ich bin nicht fortschrittsfeindlich, im Gegenteil, aber bei bestimmten Dingen erschließt sich der Sinn einfach nicht. Smart-Homes finde ich super. Mitsamt der Vorstellung, dass mir mein Kühlschrank selbstständig Lebensmittel bestellt und mein Partner aufgrund des Sauerstoffverbrauchs sehen kann, ob ich ihn betrogen habe oder nicht. Gruselig: ja. Toll: ja. Ich hatte allerdings selten das Bedürfnis, meine Nagelschere durch ein elektrisches Nagel-Clip-System zu ersetzen. Oder meine Haarbürste durch eine digitale Haarhaube. Oder so. Manche Dinge sind okay, wie sie sind. Es muss nicht alles verändert werden, nur weil wir es können.

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